Pflichtpraktika: Begehrte Plätze in den Ferien. Auch in Corona-Zeiten arbeiten Schüler bei Banken, in der Gastronomie und bei Handwerkern.

Von Beate Steiner. Erstellt am 04. Juni 2020 (05:11)
Erster Tag im Praktikum: Lada Wieser und Joana Riegler im Dolce Vita mit Adissa Cekic.
Steiner

Es geht los mit den Pflichtpraktika, die Schüler berufsbildender Schulen absolvieren müssen, auch im Corona-Schuljahr. Denn sie sind die Basis dafür, dass mit dem Schulabschluss Berufsberechtigungen erworben werden. Und es gibt sie, die Praktikumsplätze, auch heuer. „Ich bin positiv überrascht“, sagt Barbara Vrana, Fachvorständin im Schulzentrum Eybnerstraße. Viele ihrer Schüler beginnen am 15. Juni ein Praktikum, verteilt in Betrieben über ganz Österreich. Eine Musterschülerin startet bereits zwei Wochen vorher, im Gasthaus Strohmaier in Hofstetten-Grünau. „Wir waren schon im Vorjahr sehr zufrieden mit der Praktikantin“, bestätigt Gastwirt Ernst Strohmaier, der eine zweite Schülerin im Service beschäftigt: „Hoffentlich kommen wieder mehr Gäste, wenn die Corona-Beschränkungen gelockert werden.“

In den Tourismusschulen des Wifi organisiert Johann Habegger die Pflichtpraktika: „Ich bekomme täglich Anfragen aus der Gastronomie, ich bin gerade dabei, alles zu fixieren.“ Zum Beispiel mit dem Dolce Vita in St. Pölten. „Wir arbeiten seit Jahren gut mit der Tourismusschule zusammen und bemühen uns, dass die Schülerinnen hier etwas lernen“, betont Geschäftsführer Adel Cekic.

Nicht nur Gastronomen, auch Techniker brauchen Praxis-Erfahrung, und zwar acht Wochen während der gesamten Schulzeit. „Wer nicht eifrig war und das in den ersten Jahren erledigt hat, kann jetzt in Schwierigkeiten geraten“, erklärt HTL-Direktor Martin Pfeffel. Denn es gebe Corona-bedingt schon einige Absagen von Firmen. Die Schule fragt allerdings derzeit noch bei Partnerbetrieben um Ferialjobs an. Wie jedes Jahr finden HTL-Schüler Praktikumsplätze bei Klenk & Meder. „Wir nehmen heuer 20 Praktikanten, etwas weniger als im Vorjahr“, bestätigt Martina Simoncic, Leiterin der Personalentwicklung beim Elektro-Unternehmen. Für nächstes Jahr können Interessenten bereits ihre Bewerbungsunterlagen abgeben.

Job-Schnuppern für künftige Banker

Auch Absolventen kaufmännischer Schulen müssen in den Ferien berufsbezogen arbeiten. Die Sparkasse NÖ Mitte hat Interesse an künftigen Mitarbeitern und nimmt heuer 23 Praktikanten, „obwohl es in Zeiten der Digitalisierung und des Datenschutzes immer schwieriger ist, die Leute sinnvoll zu beschäftigen“, erklärt Personalchef Gerhard Üblacker.

In der Raiffeisenbank Region St. Pölten arbeiten heuer im Sommer fünf Praktikanten. „Wir wollen Studenten eine Möglichkeit geben, in den Bankbetrieb hineinzuschnuppern“, betont Prokuristin Sigrid Seibezeder. Die Raiffeisenbank lege großen Wert darauf, dass die jungen Menschen so weit wie möglich die Abläufe in einer Bankstelle kennenlernen. „Außerdem sind wir für August auch noch auf der Suche nach ein bis zwei Lehrlingen“, so Seibezeder.