Polit-Streit ums Impfen. Opposition für längere Termine am Gesundheitsamt. SP: „Gibt keinen Bedarf.“

Von Thomas Werth. Erstellt am 26. April 2019 (06:24)
Thomas Werth
Die Impfzeiten am Gesundheitsamt sind zum Politikum geworden.

„Die Rückkehr der Masern ist in aller Munde. Leider ist der Impfstoff derzeit nicht lieferbar und die Öffnungszeiten des Gesundheitsamts, wo er vorhanden ist, sind zu kurz“, brachte FP-Stadtrat Klaus Otzelberger mit einem politischen Nadelstich eine Diskussion ins Rollen.

Dass die Termine am Montag und Donnerstag von 11.30 bis 12 Uhr sowie an einem Abend im Monat nicht ausreichen, finden auch Otzelbergers Oppositionskollegen. „Das Zeitfenster ist schon etwas eng. Man könnte die Öffnungszeit probeweise für ein Jahr auf eine Stunde mittags ausweiten. Dann sieht man, wie das die Bevölkerung annimmt“, schlägt VP-Vizebürgermeister Matthias Adl vor.

Auch für Grün-Gemeinderat Markus Hippmann ist die jetzige Regelung nicht sinnvoll. „Schließlich ist man zu dieser Uhrzeit definitiv nicht mit Freizeit gesegnet. Außerdem genügt ein Stau und der ganze Aufwand der Anreise ist umsonst.“ Hippmann will sich daher ebenfalls für erweiterte Öffnungszeiten einsetzen. „Es muss auch ab und zu ganztags die Möglichkeit zur Impfung geben.“

SP-Stadtrat Harald Ludwig fragt sich in seiner Reaktion, „wann die drei zuletzt im Gesundheitsamt waren“. Wenn die halbe Stunde nicht ausreicht, werde niemand weggeschickt. Ludwig sieht keinen Bedarf für eine Erweiterung der Öffnungszeiten. „Das würde nur dazu führen, dass die Amtsärztin tatenlos warten müsse, ob noch jemand kommt.“

Ähnlich argumentiert Doris Schweitzer, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit am Magistrat: „Wir impfen solange, wie Leute da sind – auch bis zu zweieinhalb Stunden.“ Von den Abendterminen während der Zeckenimpfaktion sowie jenen im Herbst habe man die Erfahrung gemacht, dass die Zeiten ausreichend sind, so Schweitzer.

Apotheker Andreas Gentzsch rechnet damit, dass Anfang Mai der Masern-Impfstoff wieder in Apotheken erhältlich sein wird. „Es ist erfreulich, dass es offensichtlich eine erhöhte Impfbereitschaft gibt“, kommentiert Gentzsch. Zur Debatte über die Impfzeiten wollte er nicht direkt etwas sagen, er empfahl aber einen Blick nach Großbritannien oder in die Schweiz: „Dort darf in Apotheken geimpft werden. In Österreich sind wir hier noch nicht so weit.“