Tempo 100: „Stehen erst am Anfang“

Erstellt am 28. Juli 2014 | 07:37
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Foto: NOEN, Franz Gleiss
Westautobahn / ÖVP und Grüne befürworten Vorstoß der Stadt. Geschwindigkeitslimit bei Nacht sei eine von mehreren Überlegungen.
„Es geht um etwa 40 Sekunden“, rechnet St. Pöltens Verkehrsamtsleiter Ernst Schwarzmüller den Zeitverlust, den Autolenker durch eine Temporeduktion um 30 km/h auf der A 1 in St. Pölten erleiden, vor. „Wenn man die Diskussion aus dieser Perspektive sieht, verändert sich vieles. Die Diskussion wird eher emotional als rational geführt“, so Schwarzmüller, dem aber bewusst ist, dass ein mögliches Tempo-100-Limit (die NÖN berichtete) bei den Autofahrern zu Aufregung führt: „Der Großteil möchte schnell vorankommen.“

Mit einer raschen Umsetzung ist nicht zu rechnen. „Mit der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h auf der Westautobahn stehen wir erst am Anfang“, schildert der Verkehrsamtsleiter. Sämtliche Optionen seien dabei zu bedenken und in die Überlegungen mit einzubeziehen. „Dazu zählt auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h nur in den Nachtzeiten“, so Schwarzmüller.

Bei Feinstaub-Grenzwertüberschreitung Tempo 100 verordnet

Die Stadt möchte neben Feinstaub und Lärmschutz dabei auch das Thema Sicherheit in den Vordergrund rücken. „Die Unfallschwere sinkt bei geringeren Geschwindigkeiten. Gerade im Bereich zwischen der Anschlussstelle St. Pölten-Süd und dem Knoten St. Pölten sind gefährliche Situationen, etwa durch den starken Lkw-Verkehr und durch Auf- und Abfahrtsmanöver, an der Tagesordnung“, so Schwarzmüller.

Mit großer Unterstützung seitens des Verkehrsministeriums – mit Ministerin Doris Bures hat Bürgermeister Matthias Stadler bereits mehrmals diesbezüglich Kontakt aufgenommen – dürfte die Stadt aber nicht rechnen können. Es gebe aktuell keine Pläne zu neuen Tempolimits auf Autobahnen und Schnellstraßen in NÖ. Das Ministerium verweist dabei auf das Land, das die Notwendigkeit eines Tempolimits sowohl aus Feinstaub- als auch aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen mit Gutachten belegen müsse. Würde der Feinstaub-Grenzwert überschritten, kann das Land selbst Tempo 100 verordnen, bei den anderen Gründen führt der Bund das Verordnungsverfahren. „Bei uns ist aber noch keine offizielle Anfrage eingegangen“, so Friedrich Zibuschka, Leiter der Abteilung Gesamtverkehrsangelegenheiten des Landes.

ÖVP und Grüne für Limit, FPÖ ist dagegen

Unterstützung erhält Stadler von ÖVP und Grüne. VP-Vizestadtchef Matthias Adl weist dabei vor allem auf den Lärmschutz hin. „Für die betroffenen St. Pöltner können wir uns ein Tempolimit in der Nacht sehr gut vorstellen“, so Adl, der aber den Nutzen anhand eines Probebetriebs feststellen möchte. Grün-Gemeinderätin Nicole Buschenreiter fordert ein generelles Tempo-100-Limit aus Feinstaubgründen. „Das macht Sinn, weil St. Pölten ja Feinstaubsanierungsgebiet ist. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“ FP-Stadtparteiobmann Klaus Otzelberger würde darin hingegen „die nächste Schikane für Autofahrer“ sehen. Ziel müsse es sein, mehr Lkw auf die Schiene zu bekommen.