St. Pölten

Erstellt am 21. Juni 2018, 13:50

von Mario Kern

Tipps für den Baubeirat. Baukultur-Gruppe lud Experten zum Diskurs über Gremium. St. Pöltner Version könnte noch heuer starten.

Diskutierten im Rathaus über Gestaltungsbeiräte in Österreich: Stadtplaner Jens de Buck, Arbeitsgruppe-Baukultur-Vorsitzender Norbert Steiner, Architekt Daniel Fügenschuh, die ehemalige Innsbrucker Stadtplanerin Erika Schmeissner-Schmid und Vizebürgermeister Franz Gunacker.    |  Kern

Wie viele Experten im St. Pöltner Gestaltungsbeirat sitzen werden, wie oft das Gremium tagen wird, wie die Mitglieder bezahlt werden und ähnliche Fragen soll das Konzept beantworten, das die St. Pöltner Stadtplanung bis Herbst verfasst. Diese Empfehlung für ein Gremium, das Bauprojekte in der Stadt im Sinne einer ästhetisch ansprechenden Baukultur prüfen wird, soll der Gemeinderat wenig später absegnen.

„Wenn das der Fall ist, sollte sich hoffentlich noch zum Ende des Jahres ein solcher Beirat mit ersten Projekten beschäftigen können“, wünscht sich Stadtplaner Jens de Buck eine rasche Installierung des Gremiums. Derzeit stimmt sich de Buck mit Städten ab, die bereits über einen Beirat verfügen, arbeitet sich mit seinem Team durch eine Vielzahl an Statuten und prüft auch Beiräte in Deutschland und der Schweiz. Bereits im Stadium der Grundlagenforschung empfiehlt de Buck, dass Projekte frühzeitig dem künftigen St. Pöltner Beirat vorgelegt werden, um „die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen“.

Innsbrucker Modell als mögliches Vorbild

Dazu raten auch Daniel Fügenschuh, der Vorsitzende der Bundessektion der Architekten in der Bundeskammer der Ziviltechniker, Gestaltungsbeirat-Experte Ernst Beneder und die ehemalige Innsbrucker Stadtplanerin Erika Schmeissner-Schmid. Sie schilderten im Rathaus auf Einladung des Arbeitskreises Baukultur der Plattform KulturhauptStart und der Stadt ihre Erfahrungen mit Gestaltungsbeiräten. Ihre Empfehlungen sollen in die Ideen für den St. Pöltner Beirat einfließen.

Das Innsbrucker Modell fand bei den versammelten Architekten und Stadt-Verantwortlichen großen Anklang: In der Tiroler Landeshauptstadt beschäftigen sich vier fixe Mitglieder und zwei Ersatzmitglieder sechs bis sieben Mal im Jahr mit anstehenden Bauprojekten – die einzelnen Experten sitzen zwischen zwei und fünf Jahren im Gremium. Die Sachverständigengruppe soll Verständnis und Bewusstsein für Qualität in Städtebau, Gestaltung und Architektur fördern und wird auch bei projektbezogenen Änderung von Bebauungs- und Flächenwidmungsplänen konsultiert.

„Ausschlaggebend für eine Behandlung durch den Beirat ist die Größe eines Projektes oder seine Bedeutung für das Stadtbild.“ Erika Schmeissner-Schmid

„Ausschlaggebend für eine Behandlung durch den Beirat ist die Größe eines Projektes oder seine Bedeutung für das Stadtbild“, erläuterte Schmeissner-Schmid. Sie empfiehlt auch die Einbindung von Magistratsverantwortlichen in den Sitzungen. „Dadurch ergeben sich Synergieeffekte, die für viele Projekte und Prozesse wesentlich sein können.“ Anders als in St. Pölten gibt es in Innsbruck bereits seit Jahrzehnten eine Schutzzone.

Für die St. Pöltner Zone werden im Juli die Grundlagen erarbeitet  inklusive ausgedehnter Begehungen in der Altstadt. Der Schutz für baukulturell wertvolle Objekte soll innerhalb der nächsten beiden Jahre installiert werden.