Reguliert und renaturiert: Traisen-Wasserverband seit über 100 Jahren

Erstellt am 13. August 2022 | 04:06
Lesezeit: 3 Min
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Im Rahmen des „LIFE+“-Projekts rückgebauter Flussabschnitt an der unteren Traisen.
Foto: Festschrift/Manfred Pock
„Tragisa“: Auf dem „Neptunaltar“ aus der Römerzeit ist uns der keltische Name der Traisen überliefert. Übersetzt etwa „die sehr schnell Laufende“, lässt bereits der Name erahnen, dass schon die frühesten Bewohner des Traisentals mit der Kraft des Flusses hart zu kämpfen hatten.

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Foto: NOEN

Über Jahrhunderte hinweg beschränkten sich wasserbauliche Maßnahmen allerdings auf kleinräumige Eingriffe, etwa zum Schutz von Brücken. Als präventiver Hochwasserschutz diente die Wahl möglichst sicherer Siedlungsstandorte, zur Nutzung des Wassers für Mühlen und Hammerwerke wurden schon seit dem Spätmittelalter Mühlbäche ausgeleitet.

Erst die technischen Innovationen des späten 18. und 19. Jahrhunderts ermöglichten großräumige Eingriffe im Wasserbau. Diese Flussregulierungen dienten vor allem dazu, neues Land zu gewinnen, denn die wachsenden Siedlungen und die Wirtschaft benötigten ständig mehr Platz.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nach verheerenden Überschwemmungen, wurde der verbesserte Hochwasserschutz zum vorrangigen Thema. Seitens der Landesverwaltung erfolgte ab 1905 die Planung und Finanzierung durchgehender Regulierungs- und Schutzbauten von Göblasbruck bis zur Mündung.

Gründung eines Wasserverbandes

Die künftige Pflege, Erhaltung und Verbesserung dieser Bauten den einzelnen Gemeinden zu überlassen und damit die Verantwortung aufzuteilen, schien aber wenig effizient. Auf Druck des Landes einigten sich die beteiligten Gemeinden im November 1920 auf die Gründung eines Wasserverbandes, der vorerst nur für die 34 Kilometer des Unterlaufes zuständig war.

Inzwischen sind alle 14 Gemeinden des Traisentals Verbandsmitglieder, das Betreuungsgebiet umfasst die gesamte Traisen mit ihren Quellflüssen (Türnitzer Traisen und Unrechttraisen) und den Seitenbächen, insgesamt 122 Kilometer Fließgewässer. Ab Freiland gilt die Traisen seit 1947 als Bundesfluss, somit trägt der Bund rund 50 Prozent der Bau- und Erhaltungsmaßnahmen.

Renaturierung wieder in den Fokus gerückt

Die Aufgaben des Traisen-Wasserverbandes sind in den 100 Jahren im Wesentlichen gleich geblieben, verschoben hat sich allerdings der Fokus: Wurde der Fluss früher mit harten Verbauungsmaßnahmen reguliert und begradigt und somit seiner natürlichen Dynamik beraubt, geht es heute verstärkt um Renaturierung.

Denn Flüsse als ökologische Lebensräume benötigen – genau wie die Menschen – Raum. Es geht daher darum, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendigem Hochwasserschutz und Gewässerschutz zu achten.

Ein Musterbeispiel ist der im Rahmen eines „LIFE+“-Projektes rückgebaute Mündungsabschnitt: Auf zehn Kilometern wurde aus einem monotonen, begradigten Fluss wieder eine aufgefächerte Flusslandschaft mit artenreicher Tier- und Pflanzenwelt, Huchen und Barbe kommen zurück in die Traisen. Auch wasserökologische Maßnahmen bei Pottenbrunn zeigen erste Erfolge.