„Tante brutal verdroschen“

Erstellt am 30. Jänner 2012 | 00:00
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SCHLÄGEREI ODER RANGELEI / Eine Ambacherin (25) ist über Verhalten von Kellner im St. Pöltner Zentrum empört. Die Polizei kann ihre Vorwürfe jedoch nicht bestätigen.

VON ALEX ERBER

ST. PÖLTEN, AMBACH / Es war zweifellos ein fröhlicher Abend, den die Ambacherin Margot Weber gemeinsam mit ihrer Tante Bärbel verbrachte. Geendet hat er schließlich im Krankenhaus.

Margot (25) und Bärbel (41) ließen es am Freitag zunächst im „La Boom“ ordentlich krachen. Aber der Spaß hatte dort einmal ein Ende und schließlich übersiedelte das Duo in bester Laune ins Zentrum, exakt in „Leo‘s Nachtcafé“. Auch dort war die Stimmung großartig, ehe die Tante einen letztlich verhängnisvollen Einfall hatte: „Wir wünschen uns ein Lied!“ Das sollte die Stimmung weiter heben.

Zumindest bei den Gästen. Nicht aber beim Kellner: „Er hat kein Ohrwaschel gerührt“, empört sich die Ambacherin.

Das Flehen um das Wunschlied wurde heftiger. Doch der Kellner schien taube Ohren zu haben.

Schließlich versuchten es die beiden Frauen sogar mit Bestechung: „Meine Tante hat ihm einen Zehn-Euro-Schein gegeben, damit er endlich das Lied spielt.“

Tat er aber nicht. Trotz Mini-Korruption. Im Gegenteil, barsch geworden sein soll der gute Mann. Nach einem verbalen Geplänkel setzte er die beiden Gäste kurzerhand vor die Tür.

Dort soll es nicht beim Wortgefecht geblieben sein: „Er hat meine Tante brutal verdroschen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Brutalität war unfassbar, das kann man sich nicht vorstellen!“

Tante Bärbel erlitt zumindest eine Gehirnerschütterung und wurde Spital St. Pölten stationär aufgenommen: „Das war gleich der nächste Schock für sie, dass man sie nicht heimgehen lässt“, ist Margot völlig außer Atem.

Die Polizei schildert das Geschehen jedoch ganz anders: „Von Brutalität oder Schlägerei kann keine Rede sein“, so eine diensthabende Beamtin der Inspektion Rathaus. Vielmehr habe es sich um ein Gerangel gehandelt, das sich um 7.30 Uhr ereignet hat. Der Tante sei ein Haarbüschel ausgerissen worden.

Und: „Alle Personen, die in diesen Vorfall verwickelt waren, wiesen Anzeichen deutlicher Alkoholisierung auf.“

Dass Tante Bärbel im Spital landete, wusste die Exekutive bei der NÖN-Recherche gar nicht: „Wir haben die Frau mehrfach gefragt, ob sie den Rettungswagen in Anspruch nehmen möchte. Doch sie hat mit den Worten abgelehnt: ,Nein, brauch‘ ich nicht, ich hab‘ ja nix!“

Leo Zant, Besitzer des Nachtcafés, hat die Szenerie vom Balkon aus beobachtet: „Der Kellner war nicht involviert, die beiden Frauen haben gerangelt. Die Polizei hat ein ganzes Plastiksackl voll mit ausgerissenen Haaren sichergestellt.“