Chirurg verschafft Kindern Gehör. Das Universitätsklinikum St. Pölten behandelt jährlich 200 hörbehinderte Patienten. Chirurg rät zu Eingriff in frühem Kindesalter.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 25. September 2020 (04:39)
Der eineinhalbjährige Ben hört nun. Chirurg Georg Sprinzl setzte ihm ein Cochlea-Implantat ein. Die Eltern Marlies und Goran sind mit dem Ergebnis zufrieden.
Nadine Bargad

Eineinhalb Jahre alt ist Ben. Vor wenigen Wochen hört er erstmals in seinem Leben etwas. Eine Operation ermöglicht ihm nun ein normales Leben. Rund 200 solcher Eingriffe werden jährlich am Universitätsklinikum St. Pölten durchgeführt. So viele wie sonst nirgends. Die Klinische Abteilung für Hals-Nasen-Ohren von Leiter Georg Sprinzl gilt daher als österreichweit federführend.

„Das muss man gesehen haben. Es ist sehr berührend, wenn ein Kind erstmals auf akustische Reize reagiert“, kann Sprinzl von diesen Erfahrungen nicht genug machen. Eines von tausend Kindern kommt in Österreich mit einer hochgradigen Hörbehinderung auf die Welt. Die Ursachen können genetischer Herkunft sein oder auch eine Infektion im Mutterleib. Behandelt wird diese Behinderung mit einem Implantat, das die Hörschnecke stimuliert und das Signal in das primäre Hörzentrum weiterleitet.

„Kinder mit Hörbeeinträchtigung sollten am besten noch im ersten Lebensjahr auf jedem betroffenen Ohr mit einem Hörimplantat versorgt werden“, mahnt Sprinzl zur Eile bereits im frühen Kindesalter. Idealerweise zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat. „Da können auch taub Geborene noch ein gutes Sprachverstehen erlangen“, ist Sprinzl überzeugt.