Wenn Luft für Vereine im Bezirk St. Pölten dünn wird. Selbst St. Pöltner Traditionsklubs sind vor dem landesweiten Trend nicht gefeit.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:39)
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Abflug. Marek Sovcik (rechts) beim Kopfballduell – gegen Mauer-Öhling bestritt der ATSV St. Georgen Ende Oktober 2018 sein letztes Heimspiel. Der Fußballplatz soll nun neu genützt werden, auch die Nachwuchskicker sind in der Zwischenzeit übersiedelt.

Bimbo Binder war der größte Fußballer, den St. Pölten hervorgebracht hat. Jene Sportanlage, die seinen Namen trägt, macht dem legendären Stürmer des „Wunderteams“ keine Ehre. Üppig überwuchert, klaffend wie eine Wunde im Herzen der Fußballmetropole.

Jenen Klub, bei dem der spätere Teamspieler als 15-Jähriger im Jahr 1927 erste „Kampfmannschaftsluft“ geschnuppert hat, gibt‘s nicht mehr. Sturm 19 St. Pölten ist nur das prominenteste Beispiel für ein Phänomen, das landesweit für Sorgenfalten bei Klub- und Verbandsfunktionären sorgt. Das Vereinssterben geht um.

Unrühmliches Ende für einen Traditionsverein

Sturm 19, der Klub der einst in der Landesliga zu den St. Pöltner Zugpferden gehört hatte, stellte im Sommer 2016 den Spielbetrieb ein. Drei Monate später folgte wegen nicht beglichener Außenstände gegenüber dem Verband der Ausschluss aus dem NÖFV. Seinen 100. „Geburtstag“ erlebte Sturm 19 nicht mehr. Seither streiten sich die Juristen. Der einstige Sturm-19-Obmann August Weiretmair weigert sich die Anlage, an die Stadt zurückzugeben. Der Ausgang des Hick-Hacks? Nach wie vor offen.

In der Region macht sich ein „Stadt-Land-Gefälle“ der etwas anderen Art bemerkbar. Im Gölsental ist man sportlich top unterwegs, im Pielachtal ist von Funktionärsproblemen keine Rede und auch in und um Herzogenburg herum sind die Klubs solide aufgestellt. Anders in der Stadt selbst – dort fällt‘s offenbar schwerer als im ländlichen Raum, Menschen für‘s ehrenamtliche Engagement zu begeistern.

So musste 2011 der SC Stattersdorf nach fast neun Jahrzehnten Fußballbetrieb zusperren. Die Suche für einen Nachfolger von Obmann Karl Frühwirth („Ich habe mehr als 6.000 Euro in den Verein gesteckt“) verlief erfolglos. Immerhin wird die Sportanlage noch genutzt – als Trainingsstätte für das LAZ St. Pölten.

Das jüngste Beispiel für‘s Vereinssterben kommt aus dem Süden St. Pöltens. Der ATSV St. Georgen stellte im Winter – zur „Halbzeit“ der Saison in der Gebietsliga West (dritthöchste NÖ-Spielklasse) – den Betrieb mit der Kampfmannschaft ein.

Nach Ende der Herbstsaison warf der amtsmüde Vorstand das Handtuch, eine Nachfolgelösung kam trotz monatelanger Bemühungen nicht auf Schiene.

Spieler kämpften vergeblich um Rettung

„Wir wollen den Klub nicht einfach so sterben lassen!“ Mit viel Euphorie machten sich David Schreylehner und einige seiner Kickerkollegen daran, das Ruder herumzureißen. Helfer fand man – aber keine Persönlichkeit, die sich als Obmann und Kassier in vorderster Front der Verantwortung stellt. Das „Aus“ für die Gebietsligatruppe war nicht zu verhindern, das Team zerstreute sich in alle Winde. Wenigstens im Nachwuchsbetrieb ist St. Georgen noch vertreten – als Teil der NSG Süd. Gespielt wird allerdings seit Sommer nicht mehr in St. Georgen, die Kids wurden auf die Standorte in Harland und Spratzern aufgeteilt. Der Platz soll einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Davon können Sturm-19-Fans nur träumen. Einzig Nostalgie bleibt. Und ein unfreiwilliges „Biotop“ mitten in der Stadt.

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