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Erstellt am 26. August 2013 | 00:00
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Web-Artikel 24701
Foto: NOEN, Vorlaufer
Radwegenetz, eine neue Uni für St. Pölten und den neuen Job.

Interview: Daniel Lohninger und Mario Kern

NÖN: Wir sind mit dem Fahrrad nach Waitzendorf unterwegs. Mal ehrlich – wie oft pro Jahr ist Ihr Dienstfahrrad im Einsatz?
Matthias Stadler: Wir führen nicht genau Buch. Aber Sie können sich darauf verlassen, dass ich alle Wege, die ich in halbwegs vertretbarer Zeit zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann, auch zu Fuß oder mit dem Rad erledige. Und das sind in St. Pölten sehr viele.

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Bürgermeister Matthias Stadler im Gespräch mit NÖN-Redaktionsleiter Daniel Lohninger (Mitte) und Redaktionsleiter-Stellvertreter Mario Kern auf dem Radweg beim Landesgericht. Foto: Vorlaufer
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Die Kritik der Grünen am Radwegenetz ist nachvollziehbar?
Es stimmt, dass die Radwege in manchen Bereichen optimierbar sind. Allerdings ist man im städtischen Bereich oft einfach durch die bauliche Situation eingeschränkt. Wir arbeiten aber ständig an der Verbesserung des Radwegenetzes und werden noch in dieser Legislaturperiode insgesamt auf 260 Radweg-Kilometer kommen. Wir haben auch eine der ersten Fahrradstraßen Österreichs eingerichtet (Bericht auf Seite 11). Viel erwarte ich mir zudem vom Bau der S 34 – wir haben auf den Hauptachsen dann mehr Spielraum für neue Radwege.

Es gibt Experten, die nicht erwarten, dass die S 34 die Verkehrssituation in der Stadt verbessert.
Für mich steht außer Streit, dass die S 34 die Verkehrssituation in der Stadt verbessern wird. Ist die S 34 gebaut, haben wir einen Autobahnring um die Stadt – der Transitverkehr wird sich auf diese Route verlagern und nicht wie bisher durch die Hauptachsen der Stadt gezwängt. Und durch diese Entlastung haben wir dann Spielraum für Verkehrs-Maßnahmen in der Stadt. In diese Richtung wird auch der Generalverkehrsplan gehen. Man sieht das bereits jetzt bei der S 33: Wer von Norden kommend durch St. Pölten muss, fährt nicht durch die Stadt.

Es gab Pläne für einen Schnellbus, der auf der Nord-Süd-Achse unterwegs ist. Gibt’s die noch?
Ein Schnellbus auf der Nord-Süd-Achse wäre eine gute Sache. Man braucht aber einen dichten Takt und eine Verbindungs-Geschwindigkeit, die jetzt nicht möglich ist. Auch da gilt: Ist die S 34 da, können wir bauliche Maßnahmen in der Mariazeller Straße und in der Prater Straße setzen – beispielsweise eine Busspur.

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Apropos Bus. Was sind Ihrer Meinung nach die künftigen Anforderungen an das Lup-Netz?
Die Marke ist gut etabliert. Früher hatten wir 800.000 Fahrgäste – inklusive der Schüler. Heute sind es 4,5 Millionen. Welche Stadt kann diese Steigerung in wenigen Jahren schaffen? Ich verstehe jeden, der den Lup vor der Haustüre haben möchte. Der Bus ist aber ein Massenverkehrsmittel. Wenn zwei, drei Personen drin sitzen, ist das zu wenig. Klar, dass man einen Stadt-Bus nicht kostendeckend führen kann. Das Ganze ist aber trotzdem eine Sache der Vertretbarkeit – was kann man an Abgang verantworten?

Der von der Opposition massiv geforderte Lup-Betrieb an Sonn- und Feiertagen ist Ihrer Meinung nach nicht vertretbar?
Das ist eindeutig eine Frequenzfrage. St. Pölten ist für ein dichtes Busnetz an Sonn- und Feiertagen einfach zu klein. Nicht einmal in einer Stadt wie Klagenfurt mit 95.000 Einwohnern wird das Angebot angenommen. Abgesehen davon haben wir mit Sternschnuppe, Anruf-Sammeltaxi und Wheeli ein gutes Alternativ-Programm. Die von mir schon mehrfach angeregte Ausdehnung der Linien in das Umland könnte in den Randbereichen die jetzt fehlende Frequenz bringen. Ein Zentralraum-Lup wäre für die Zukunft ein Hit.

Die Lup-Linien werden derzeit evaluiert. Zur Diskussion stehen 7, 9a und 11. Gehören sie bald der Vergangenheit an?
Ich werde versuchen, das gesamte Netz aufrechtzuerhalten. Das hängt aber auch von den Partnern der Stadt ab, die den Lup-Betrieb mit ermöglichen. Ich kann aber schlecht für den Fortbestand argumentieren, wenn die Frequenz zu gering ist.

Die könnte es geben, wenn das Angebot passt. Ein Beispiel ist die Westbahn-Strecke. Seit man in 25 Minuten von St. Pölten in Wien ist, fahren viel mehr Bahn.
Ja, das stimmt in diesem Fall. Es ist aber immer eine Frage der Relation von Kosten und Nutzen sowie des effizienten Einsatzes von Steuergeld. Beim Lup gibt es da andere Gesetzmäßigkeiten als bei der Westbahn.

Wirkt sich die neue Bahnverbindung schon auf Anfragen aus?
Wir merken das bereits jetzt sehr deutlich. Es gibt viel mehr Anfragen wegen Wohnungen, Baugründen, aber auch Betriebsansiedelungen. St. Pölten ist im Vergleich zum Speckgürtel von Wien in vielerlei Hinsicht attraktiver – wir haben eine intakte Stadt mit gewachsener Infrastruktur und eine rasche Anbindung an Wien. All das macht St. Pölten als Wohnstandort ebenso wie als Wirtschaftsstandort so attraktiv. Damit die Preise leistbar bleiben, betreiben wir eine sehr vorausschauende Grundstückspolitik.

Dass die Stadt zu schnell wachsen könnte, befürchten Sie nicht?
Im Unterschied zu anderen Landeshauptstädten haben wir noch viel Fläche für die Expansion. Nördlich des Bahnhofes bis hin zum Landesklinikum gibt es noch genügend freie Flächen, zudem am Glanzstoff-Areal, in der Landsberger Straße, in Spratzern, in der Teufelhof-Siedlung, am Kasernenareal Nord, am Kremserberg. Das Wachstum der Stadt wird sich nicht auf einen Punkt konzentrieren. Das gilt auch für das wirtschaftliche Wachstum.

Lesen Sie weiter: Matthias Stadler zum Thema Bildung


Braucht die Stadt neben Fachhochschule und New Design University nicht noch eine zusätzliche universitäre Einrichtung?
Als wachsende Landeshauptstadt brauchen wir auch ausreichende hochschulische und universitäre Einrichtungen. Es gibt vieles, was in diesem Bereich möglich wäre: eine Privat-Uni oder ein ausgelagertes Institut beispielsweise. Da muss man aber etwas Geduld haben. Früher oder später werden die Entscheidungsträger auch in diesem Bereich merken, dass man in 30 bis 40 Minuten auf der Wiener Haupt-Uni ist.

Schmerzt es, dass die Medizin-Privatuniversität in Krems und nicht in St. Pölten errichtet wird?
Der Gesundheitsbereich hat in St. Pölten auf jeden Fall eine große Zukunft. Unser Ziel ist es, die „Fittest City of Austria“ zu werden. In diesem Sinne sehe ich die Zukunft in St. Pölten im Bereich der Prävention und gerade in diesem Bereich hoffe ich, dass wir auch im universitären Bereich schon bald mit neuen Angeboten neue Maßstäbe setzen können.

Vizebürgermeister Matthias Adl hat im NÖN-Interview kritisiert, dass Sie sich – seit Sie SPÖ-Landeschef sind – zu wenig um die Stadt sorgen. Hat er recht?
Diese Kritik entbehrt wie oft, wenn die Stadt-ÖVP was kritisiert, jeglicher Grundlage. Wo war denn der Herr Vizebürgermeister Adl den ganzen Sommer? Ich habe ihn nur selten auf einem der vielen Feste in der Stadt gesehen. Ich hingegen war fast überall dabei. Generell richten sich solche letztklassigen Angriffe aber von selbst – die St. Pöltner wissen, wie viel ich in der Stadt unterwegs bin. Insgesamt glaube ich, dass die Stadt von meiner neuen Funktion profitieren wird. Für einen Landespartei-Vorsitzenden öffnen sich Türen, die sich für einen Bürgermeister nicht öffnen – das bringt auch den St. Pöltnerinnen und St. Pöltnern was.