Hauptstadtplaner Steiner übt Kritik an Stellplatz-Regel in St. Pölten

Für Norbert Steiner würde Reduzierung das Wohnen billiger machen. Stadt sieht mehr Parkdruck.

Erstellt am 25. November 2021 | 05:32
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Für jede Wohnung müssen Bauherren auch für Stellplätze sorgen. Der Obfrau- Stellvertreter von Alpenland sieht darin einen Kostentreiber beim Wohnraum.
Foto: Lohninger

Wer Wohnungen errichtet, muss dazu eine verpflichtende Anzahl an Pkw-Stellplätzen schaffen. Über den konkreten Schlüssel entscheidet jede Gemeinde selbst – dieser liegt in St. Pölten je nach Lage üblicherweise bei 1,2 und 1,5 Stellplätzen pro Wohnung. Das heißt: Wer 100 Wohnungen errichtet, muss zugleich 100 bis 150 Stellplätze schaffen. Für „nicht mehr zeitgemäß“ hält Hauptstadtplaner und Alpenland-Obfrau-Stellvertreter Norbert Steiner diese Werte.

„Gerade in der Stadt sehen wir seit Jahren den Trend, dass in manchen Wohnungen überhaupt kein Auto vorhanden ist. Die Garagen bauen müssen wir aber trotzdem, obwohl sie dann halb leer stehen.“

Er kritisiert, dass St. Pölten relativ hoch ansetzt – in Ober-Grafendorf sei beispielsweise beim jüngsten Alpenland-Projekt nur ein Stellplatz pro Wohnung vorgeschrieben worden. Steiner: „Gerade in der Stadt sehen wir seit Jahren den Trend, dass in manchen Wohnungen überhaupt kein Auto vorhanden ist. Die Garagen bauen müssen wir aber trotzdem, obwohl sie dann halb leer stehen.“

Abgesehen vom ökologischen Aspekt ist für Steiner auch der finanzielle relevant: „Die Errichtung von Tiefgaragen ist teuer und schlägt sich natürlich auf die Wohnungskosten nieder. Müssten wir weniger Pkw-Stellplätze schaffen, wäre das ein wesentlicher Beitrag für leistbares Wohnen.“

Stadt argumentiert mit höherem Parkdruck

Den Wunsch, Baukosten zu reduzieren, indem sie weniger Stellplätze errichten, als vorgesehen sind, würden viele Bauträger an die Stadt herantragen, erklärt die Stadt. Bei Neubauten mit Wohnnutzung und mehr als vier Wohneinheiten wird der Stellplatzschlüssel berechnet, konkretisiert man. Der variiert in den vier Zonen im Stadtgebiet bei Kfz zwischen 1 und 1,5 pro Wohneinheit sowie bei Fahrrädern zwischen 1 und 2.

Das Stellplatzregulativ von 2019 bedeute eine Reduktion der Kfz-Abstellplätze um 33 Prozent und Steigerung der Fahrradabstellplätze um 100 Prozent. Basis sei eine Studie über das „Stellplatzregulativ in NÖ“, das den öffentlichen Verkehr berücksichtigt. „Je besser ein Gebiet mit öffentlichem Verkehr versorgt ist, desto niedriger der Stellplatzschlüssel für Pkw und desto höher für Fahrräder“, so die Erklärung. Die Innenstadt und angrenzende Bereiche fallen in Zone 1 mit den geringsten Auflagen zur Errichtung von Kfz-Stellplätzen.

Laut Magistrat kommen auf einen St. Pöltner Haushalt im Schnitt 1,27 Pkw. Erfahrung der Abteilung für Stadtentwicklung sei, dass eine reduzierte Mindestanzahl von Pkw-Stellplätzen zu einer Erhöhung des Parkdrucks in der Umgebung führt und nachträglich oft für das Stadtbild negative Maßnahmen zur Stellplatzschaffung gesetzt werden müssen.

Einen Lösungsansatz sieht die Stadt in der Garagennutzung unabhängig vom Wohngebäude. Diese könnten auch vermietet werden an Bewohner älterer Wohngebäude ohne eigene Stellplätze, die sonst oft auf Parkraum im öffentlichen Raum ausweichen müssten.