Wohnqualität steigt, Gefahr sinkt. ST. PÖLTEN | Jeder Zweite fürchtete sich in Stadtviertel bei Dunkelheit: Maßnahmen sorgen für mehr Sicherheit.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 16. Dezember 2013 (08:33)
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Von Daniel Lohninger

Das Sicherheitsgefühl im urbanen Raum hängt nicht nur von Kriminalitäts-Statistiken ab, sondern vor allem vom Gefühl. Das ist der Grund, warum die Stadt St. Pölten als erste Stadt Österreichs ein ganzes Stadtviertel einem Sicherheitsaudit unterzog – obwohl St. Pölten eine der sichersten Städte Österreichs ist.

Im Fokus des Pilotprojektes stand das Wohngebiet zwischen Leobersdorfer Bahnstraße, Pernerstorferstraße, Mariazeller Straße und Grillparzerstraße. Es ist eines der dichtest besiedelten Gebiete der Stadt – etwa 1.800 Menschen leben hier. Die Hälfte der Bewohner gaben in einer Befragung an, sich bei einem Spaziergang nach Anbruch der Dunkelheit unsicher zu fühlen. „Dieses Gefühl der Unsicherheit ist rein subjektiv. Tatsächlich gibt es hier eher weniger Verbrechen und Vergehen als in anderen Stadtvierteln“, erklärt Bürgermeister Matthias Stadler. Im Zuge der Untersuchung zeigte sich, dass der Zustand der Gebäude sowie des öffentlichen Raums entscheidend für dieses Unsicherheitsgefühl war.

NOEN, Foto: Koutny
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Seit März wurden nun gezielte Schritte gesetzt, die ein Ziel hatten: Das Sicherheitsgefühl der Bewohner des Stadtviertels zu verbessern und den Bereich insgesamt aufzuwerten. Viele kleine Maßnahmen wurden von der Stadt, aber auch von den Liegenschaftseigentümern – allen voran die Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft (BWS) und ÖBB-Immobilienmanagement – gesetzt. So wurde die Beleuchtung verbessert, die 30er-Zonen evaluiert, zusätzliche Radständer bei den Wohnhausanlagen und mehr Sitzbänke in den Innenhöfen errichtet sowie die Renovierung der Stiegenhäuser in Angriff genommen.

Mehrere Maßnahmen sind noch im Laufen. So soll die Unterführung der Mariazeller Straße im Frühjahr renoviert und der Park in der Passauer Straße neu gestaltet werden. Wann, das ist noch unklar – auch, weil vor der Umgestaltung noch die künftige Nutzung des angrenzenden ehemaligen jüdischen Friedhofes geklärt werden soll, wie Stadler betont.

„Die Wohnqualität in St. Pölten ist sehr hoch“

Kostspieligste Maßnahme ist die Sanierung der Wohnblocks. Die wird derzeit gemeinsam mit den Mietern erarbeitet – der Investitionsrahmen dafür liegt bei über acht Millionen Euro. Bis 2017 sollen die Sanierungen abgeschlossen sein. „Je mehr eine Anlage verfällt, desto größer wird das Sicherheitsproblem“, erklärt Wilhelm Haberzettl, der Vorstandsvorsitzende der BWS-Gruppe, einen der Gründe für die Investition. Zugleich gehe es aber auch darum, als Wohnungsvermieter konkurrenzfähig zu bleiben. Und da gelten in St. Pölten andere Kriterien als in anderen Städten: „Die Wohnqualität in St. Pölten ist sehr hoch. Ein Gebäudezustand, der für die Mieter in Wien passt, kann in St. Pölten schon ein Problem sein.“

Welches Stadtviertel als nächstes von der Stadtplanung und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit in Angriff genommen wird, ist noch unklar. Klar ist aber, so Stadler, dass sich dieses Instrument bewährt habe – gerade in einer wachsenden Stadt wie St. Pölten.

Auswahl der Maßnahmen
• Bessere Straßen-Beleuchtung in den Kreuzungsbereichen, in der Unterführung der Mariazeller Straße und bei der Lup-Bushaltestelle in der Viktor-Adler-Straße.
• Geh-Sicherheit: Der Gehsteig in der Viktor-Adler-Straße wurde saniert und neu asphaltiert.
• Tempo-Limit: Die Einhaltung der 30er-Zonen in der Pernerstorferstraße, der Grillparzerstraße und der leobersdorfer Bahnstraße wurde überprüft. Ergebnis: 85 Prozent der Fahrer halten sich an das Limit, wenn man die Toleranzgrenze bis 44 km/h definiert.
• Innenhöfe der Wohnhausanlagen: regelmäßiger Heckenschnitt, regelmäßige Pflege der Sandkisten, Installierung neuer Beleuchtungsanlagen, mehr Radständer und mehr Sitzbänke .
• Radfahren gegen die Einbahn: Radweg in der Viktor-Adler-Straße wurde nach Osten verlegt.
• Renovierung der Stiegenhäuser und Hauseingänge.