Zwei Eingriffe statt einem

Erstellt am 07. Februar 2011 | 00:00
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
stp06-16-spital 4s Das Landesklinikum St. Pölten: Nicole B. wurde hier die Bauchdecke gestrafft, das Magenband wurde ihr nicht entfernt - dazu muss sie nach Hollabrunn fahren.HAGL
Foto: NOEN, zVg
PROBLEMATISCH / Weil ihr Magenband im St. Pöltner Krankenhaus nicht entfernt wird, muss sich eine junge Frau nach Bauchstraffungs-OP noch einmal unters Messer legen.

stp06-16-spital 4s Das Landesklinikum St. Pölten: Nicole B. wurde hier die Bauchdecke gestrafft, das Magenband wurde ihr nicht entfernt - dazu muss sie nach Hollabrunn fahren.HAGL
Foto: NOEN, zVg

VON BEATE STEINER

ST. PÖLTEN / 40 Kilo hat Nicole B. abgenommen, die 30-jährige Mutter von zwei Kindern ist damit nahe ihrem Wunschgewicht. Das sie allerdings unter größten Schwierigkeiten erreicht hat. Und mit einigem - vermeidbarem - Risiko.

Vor rund acht Jahren hatte sich die damals schwer übergewichtige Nicole B. im St. Pöltner Spital ein Magenband setzen lassen. Sie hat damit Kilo um Kilo verloren. Im letzten Jahr entzündete sich der Fremdkörper aber immer wieder, eine Entfernung schien ratsam. Und auch eine Fettschürzen-Resektion. Dabei wird das abgestorbene Fett-Gewebe von plastischen Chirurgen entfernt, die Bauchdecke gestrafft.

Nicole B. erklärte sich mit dem Eingriff einverstanden, erlebte nach der Vorbesprechung mit den Ärzten allerdings eine Überraschung: „Auf der Überweisung ist dann nichts mehr gestanden von einer Magenband-Resektion.“

Auf Nachfrage wurde ihr erklärt, dass nach dem neuen Niederösterreichischen Versorgungsplan das Landesklinikum St. Pölten dafür nicht mehr zuständig sei, obwohl der Chirurg, der das Magenband eingesetzt hat, noch am St. Pöltner Landesklinikum operiert: „Magenband-Operationen werden seit einem halben Jahr nur mehr in Hollabrunn durchgeführt.“

Die Konsequenzen für die alleinerziehende junge Mutter: Sie muss sich zwei Operationen an zwei verschiedenen Spitälern unterziehen. Das Magenband wird in Hollabrunn entfernt, was bedeutet: Kinder bei den Großeltern unterbringen, mit dem Zug nach Hollabrunn fahren, Narkose, Operation, Krankenhausaufenthalt, Krankenstand.

Die Bauchdecke wurde in St. Pölten gestrafft. Das bedeutete: Kinder abgeben, Narkose, sechs Stunden Operation, Krankenhausaufenthalt, Krankenstand. Also: Risiken und Kosten für zwei schwere Operationen, für die Patientin, die Allgemeinheit und den Arbeitgeber - die junge Frau ist insgesamt neun Wochen im Krankenstand.

Dr. Andreas Schneider, der ärztliche Direktor des Landesklinikums St. Pölten bestätigt, dass diese beiden Eingriffe gleichzeitig in einer Operation durchgeführt werden könnten. „Die medizinischen Hintergründe sind mir nicht bekannt, dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben“, sagt Schneider.