Update am 29. Mai 2018, 00:01

Pilgerreise ins Heute. Das Festival Retz zeigt eine Barockrarität des Komponisten Johann Adolph Hasse in der Stadtpfarrkirche.

NicholasSpanos und das Ensemble.  |  Claudia Prieler

Das Oratorium „Die Pilger“, das im Jahr 1742 seine Uraufführung erlebte, gilt als Johann Adolph Hasses Meisterwerk sakraler Musik. Ein Eremit führt vier Pilger – stellvertretend für die Zuhörer – zu den zentralen Stätten des Leidens Christi, anhand derer er die Passion erzählt. Abschließend wird in einer gemeinsamen Betrachtung diese punktuelle Pilgerreise in Beziehung zur gesamten Lebenspilgerschaft gläubiger Menschen gesetzt.

Während jedoch zu Hasses Zeiten, im ausgehenden 18. Jahrhundert, wohl nur Männer auf Pilgerschaft nach Jerusalem gingen, sind die Pilger in der Retzer Fassung Reisende des 21. Jahrhunderts, Männer wie Frauen, die auf gegenwärtige Bewohner Jerusalems treffen.

Neben Bernarda Boboro, die zuletzt u. a. am Royal Opera House sang, ist die renommierte Sopranistin Ursula Langmayr als weibliche Pilgerin zu hören. Die Altistin Martina Mikelic und der Countertenor Nicholas Spanos vervollständigen die Gruppe der Pilger.

Mit der Rolle des Eremiten gibt der Bariton Stefan Zenkl sein Debüt bei den Festspielen Retz unter der musikalischen Leitung von Andreas Schüller.