Solidarität auf Niederbayerisch: Kabarett in Tulln

Erstellt am 01. Oktober 2022 | 05:36
Lesezeit: 3 Min
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Kabarettist Martin Frank eröffnet am Donnerstag, 6. Oktober, die TullnKultur-Herbstsaison im Danubium.
Foto: Andreas Kusy
Martin Frank reflektiert in „Einer für alle – alle für keinen“ über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.

Am Donnerstag, 6. Oktober, eröffnet Martin Frank mit seinem Programm „Einer für alle – alle für keinen“ die Herbstsaison im Danubium. Damit beschreibt der niederbayerische Kabarettist sein momentanes Bild einer Gesellschaft, in der individuelle Luxusprobleme den gesunden Menschenverstand zu überschatten scheinen. Eine Welt, in der Männer sich beim Anblick von Frauenparkplätzen ebenso „diskriminiert“ fühlen wie Mädchen, die nicht im Knabenchor singen dürfen.

Der Titel stand schon in der Zeit vor Corona fest. „Kurz hab ich dann die Panik bekommen: Was ist, wenn jetzt alle ganz eng zusammenrücken und sich solidarisch verhalten“, sagt Frank im Gespräch mit der NÖN, „aber das ist Gott sei Dank – zumindest was mein Programm angeht, sonst wohl eher leider – nicht passiert. Es haben sich alle gegenseitig im Supermarkt die Sachen weggekauft.“

„Die Preußen haben gewisse Vorbehalte gegen die Bayern. Aber vielleicht ist das ein bisschen Neid …“ Martin Frank Kabarettist

Es sind Alltagssituationen aus dem Leben auf dem Land und in der Stadt, die Frank witzig, frech und hintersinnig in seinem Programm verarbeitet. Als Sohn eines Landwirts hält er auch im hippsten Stadtlokal an der Kuhmilch fest oder versucht es zumindest, obwohl vom Kellner hartnäckig sämtliche Alternativen von Cashew- über Kürbiskernmilch bis zum Haferdrink angeboten werden.

Die Sprache von Martin Frank ist (Nieder-)Bayerisch und daran hält er fest: „Auf der Schauspielschule in München haben sie zwar versucht, mir das auszutreiben, aber es ist ihnen nicht gelungen. Ich finde es auch schade, wenn ein Dialekt verkommt.“

In Österreich hat er damit kaum Probleme, hier wird das Bayerische weitgehend gut verstanden. „Ich spiele hier auch 100 Mal lieber als in Norddeutschland“, räumt Frank freimütig ein. Egal ob in Berlin, Hamburg oder Köln: „Die Preußen haben gewisse Vorbehalte gegen die Bayern. Aber vielleicht ist das ein bisschen Neid, weil wir so ein schönes Bundesland haben.“

Aufgewachsen als Landwirt, geschult als Schauspieler, damit hätte Frank schon eine gute Basis als Kabarettist. Damit nicht genug ist er auch ausgebildeter Kirchen-Organist und wollte eigentlich Gesang studieren: „Aber das Mozartheum in Salzburg wollte mich nicht. Jetzt muss halt das Publikum in Tulln dran glauben.“

Wobei das ein wenig kokett ist, denn er kann tatsächlich singen (siehe unten bzw. auf Youtube: „Martin Frank Kaba Song“). Variabel eingetaktet finden sich in „Einer für alle – alle für keinen“ vier Songs.

Politisch wird er im Programm nicht: „Natürlich bin ich interessiert, aber ich will dem Publikum einfach einen unterhaltsamen Abend bieten und nicht das, was sie ohnehin jeden Tag in allen Medien sehen, hören und lesen.“

Frank reflektiert über die Gesellschaft und was ihm hier fehlt, das ist „die Bereitschaft zu Handeln“. Die fehle zwischen den Extremen der „absoluten Weltverbesserer und“ jenen, „die gar nix ändern wollen“. Frank: „Aber wenn man die Welt zum Besseren verändern will, sollte man sich irgendwo in der Mitte auf ein gesundes Maß einigen.“

Und er selbst? „Wenn ich ein gutes Argument höre, dann bin ich auch bereit, an mir zu zweifeln.“ Kein Zweifel: Da wartet ein feiner Kabarettabend im Danubium.