Schuberts Reise wird zur Oper. Johanna Doderer schrieb die Musik, Peter Turrini das Libretto dazu. „Eine Weltsensation“, freut sich Lammerhuber.

Von Lisa-Maria Hasenhindl. Erstellt am 05. Dezember 2019 (04:46)
Martin Lammerhuber, Hermann Dikowitsch, Daniel Prohaska, Johanna Doderer und Josef E. Köpplinger veranstalteten gemeinsam mit Bürgermeisterin Beate Jilch eine Fackelwanderung zum Schuberthäuschen, wo Franz Schubert einige seiner Stücke komponiert hat. 
: Lisa-Maria Hasenhindl

Komponist Franz Schubert hatte um 1820 einige Sommer im Schloss Atzenbrugg verbracht. Hier schrieb er auch die „Atzenbrugger Tänze“.

Zwei Jahrhunderte später dient der Ort im Tullner Bezirk abermals als Titel für ein musikalisches Stück. Josef E. Köpplinger, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, engagierte Komponistin Johanna Doderer und Schriftsteller Peter Turrini für die Oper „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“. Doderer komponierte die Musik und Turrini verfasste dazu das Libretto. „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ ist nach der Oper „Liliom“ die bereits zweite Zusammenarbeit von Köpplinger, Doderer und Sänger Daniel Prohaska.

Präsentiert wurde das Werk im Ausbildungszentrum der Kulturregion NÖ, welches sich im Schubertschloss befindet. Kulturregion-Geschäftsführer Martin Lammerhuber führte durch den Abend, der von Schülern der Musikschule Klosterneuburg unter der Leitung von Musikschulmanagement-Geschäftsführerin Michaela Hahn musikalisch umrahmt wurde.

„Es ist eine Weltsensation“, betonte Lammerhuber, „welcher Ort kann von sich sagen, Namensgeber für eine Oper zu sein?“

Für Köpplinger ist Schubert „ein Abgott für die Verbindung zwischen Kulturen“. Köpplinger ist bekannt dafür, dass er genreübergreifend arbeitet, denn er möchte Kunst nicht in eine Schublade stecken. Hermann Dikowitsch leitet die Abteilung Kunst und Kultur im Land NÖ und sieht dieses Bundesland als Kraftquelle für Kreativität.  Neben Schubert war auch Ludwig van Beethoven in Niederösterreich tätig und die Brüder Haydn wurden hier geboren. Köpplinger wurde ebenfalls in Niederösterreich geboren und Doderer sowie Turrini sind Wahlniederösterreicher. Schubert ist nach Dikowitsch einer der bedeutendsten Musiker des Landes und hat seine Spuren hinterlassen.

„Schubert ist ein Abgott für Kulturverbindung“

Viele meinen, dass sein Geist im Schloss Atzenbrugg noch spürbar sei. So war auch Komponistin Johanna Doderer sichtlich ergriffen, als sie in den Schlossräumen verweilte. Doderer besuchte Atzenbrugg bewusst nicht vor der Präsentation der Oper, denn sie wollte sich nicht davon beeinflussen lassen. Ihr geht es dabei um den Menschen Franz Schubert, der über die Musik kommuniziert hat, aber unfähig war, seine Liebe zu Josepha von Weisborn, die er auf seiner Reise kennenlernte, zu offenbaren. Doch nicht nur für Schubert ist die Oper eine Reise, auch für Doderer war es eine Reise zu sich selbst.

Doderer wollte in der Oper, keinen Abklatsch von Schuberts Musik.

Die Oper besteht musikalisch daher aus drei Ebenen. „Musik von Schubert selbst sowie die Begleitmusik, welche durch eine melancholische Melodie von Schubert inspiriert wurde“, erzählt Doderer. Die dritte Ebene ist sogleich die schwierigste Ebene für Doderer gewesen, denn das ist ihre eigene Musik, wobei sie die Deutsche Messe von Franz Schubert aufgebrochen hat.

Daniel Prohaska wird bei der Uraufführung am 23. April 2020 in München, Franz Schubert darstellen. Prohaska befasst sich mit seinen Rollen stets stoßweise: „Drei bis vier Tage beschäftige ich mich intensiv mit meiner Rolle, dann mache ich wieder zwei bis drei Wochen Pause.“

Landeshauptmann a. D. und  Aufsichtsratsvorsitzenden der Kulturregion Erwin Pröll betont abschließend: „Kunst und Kultur sind die entscheidenden Facetten, um seinem Egoismus entgegenzutreten und einen Schritt weiterzugehen.“