Eine Tullnerin erlebte Notre Dame in Flammen. Eine Tullnerin erlebte den verheerenden Brand in Paris vor Ort mit.

Von Helga Urbanitsch und Doris Firmkranz. Erstellt am 25. April 2019 (04:43)
ZVg/
Notre Dame in Flammen

„Kalter Schauer, Panik, ein Aufschrei des Entsetzens, gefolgt von betretenem Schweigen“ – so beschreibt Irina-Elisabeth Godai die dramatischen Momente an dem Tag, als Notre Dame in Flammen aufging. Die aus Langenlebarn stammende und in Paris studierende junge Schauspielerin war Augenzeugin des Großbrandes.

Das Feuer war späten Montag-Nachmittag auf dem Dachboden ausgebrochen und hatte sich rasend schnell verbreitet. Zuerst bemerkte die im Nebenjob als Fremdenführerin tätige 29-Jährige nur eine Rauchwolke, ehe es zur traurigen Gewissheit wurde: „Ja, das Dach der Kirche brennt tatsächlich!“

„Das einzige, was man tatsächlich tun kann, ist, stillschweigend zuzusehen wie das Gebäude in Flammen aufgeht.“ Augenzeugin Irina Godai

Stundenlang harrte Godai, wie viele andere auch, hilflos und starr vor Entsetzen vor der brennenden Kathedrale aus. Godai: „Das einzige, was man tatsächlich tun kann, ist, dem heiß geliebten Gemäuer einen letzten Tribut zu zollen und ihm stillschweigend dabei zuzusehen, wie es lichterloh in Flammen aufgeht.“

Großbrände fanden in Tulln zuletzt im 18. Jahrhundert statt. Am 21. März 1752 brach in einem Haus in der Rudolfstraße durch Überheizen eines Waschkessels Feuer aus, das sich durch starken Westwind rasch verbreitete und in kurzer Zeit den ganzen Stadtteil zwischen Rudolfstraße, Stadtmauer und Wiener Straße erfasste.

Durch eine Drehung des Windes war auch der westliche Stadtteil bedroht. Bilanz: 82 Bürgerhäuser, zahlreiche städtische Bauten wie Stadthaus, Schule und Mesnerhaus sowie Teile der Pfarrkirche, der Pfarrhof und das Frauenkloster zerstört. Nach dem Brand wurden die Turmkörper der St. Stephanskirche erhöht und erhielten die heutigen Dächer.

Nur wenige Jahrzehnte später, am 18. Juli 1779, brach erneut ein Großbrand aus, der 79 Bürgerhäuser erfasste.

Wehren sind mehrfach gefordert

Wir fragten nach bei der Tullner Stadtfeuerwehr, ob und wie man für einen solchen Fall gerüstet ist. Dazu Kommandant Alfred Eisler: „Ein Brand in einer Kirche oder einem anderen historischen Gebäude stellt für jede Feuerwehr eine große Herausforderung dar. Zum einen haben es die Einsatzkräfte dabei oftmals mit großen Höhen zu tun, was die Wasserversorgung erschwert, für Atemschutzträger lange Angriffswege ergibt und auch eine Eigensicherung notwendig machen kann.

Neben der Brandbekämpfung ist auch der Schutz der Kulturgüter zu beachten.“ Kritisch wird es bei Renovierungsarbeiten. Bei Arbeiten im Dachbereich, kann altes, trockenes Holz darunter zu brennen beginnen.

Die Tullner Stadtpfarrkirche besitzt keine automatische Brandmeldeanlage. Die Stadtfeuerwehr und die umliegenden Gemeinden sind jedoch mit allen notwendigen Fahrzeugen, Tanklöschfahrzeugen und einer Drehleiter ausgerüstet. Zudem ist das Hydrantennetz der Stadt gut ausgebaut.

„Die Versicherung schreibt keine automatische Brandmeldeanlage vor und sie ist eigentlich nicht üblich, der Alarm würde oft schon bei brennenden Kerzen oder Weihrauch ausgelöst werden“, so Diözesankonservatorat Wolfgang Huber. Weiters betont, er, dass die Pfarren eigenständig darauf achten sollten, dass zum Beispiel keine brennenden Materialen am Dachboden lagern und die Feuerbeschau regelmäßig durchgeführt wird.

„Neben der allgemeinen Haftpflichtversicherung ist die Kirche auch noch gegen Sturm, Feuer und sonstige Gefahren wie Terrorakte oder Vandalismus geschützt“

Die über 1.000-jährige Tullner Stadtpfarrkirche (mit 27 Statuen und Gemälde sowie sieben Glocken), der Karner und die Wallfahrtskirche Frauenhofen haben eine klassische Kirchenversicherung, inklusive Feuer- und Sturmschäden sowie Vandalismus. Die 1732 erbaute Minoritenkirche als „Gesamtkunstwerk“ mit Loretokapelle, Krypta, Unterkirche, Statuen, der barocken Sakristei inklusive Intarsienschrank ist Eigentum der Stadtgemeinde Tulln. „Neben der allgemeinen Haftpflichtversicherung ist die Kirche auch noch gegen Sturm, Feuer und sonstige Gefahren wie Terrorakte oder Vandalismus geschützt“, weiß Karin Pendl von der Stadtgemeinde.

Der Brand von Notre Dame konnte am Morgen des nächsten Tages gelöscht werden. Die Wunden, die das flammende Inferno hinterlassen hat, werden wohl noch länger schmerzen. „Es ist so traurig“, schreibt Irina Godai am Ende ihres Facebook-Eintrages.