8. Tullner Zukunftsforum wurde eröffnet. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Neurowissenschafter Joachim Bauer eröffneten die Veranstaltung, in der an zwei Tagen Fragen wie "Was uns als Gesellschaft zusammenhält?" und Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Message Control oder Klimawandel von Experten beleuchtet wurden.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 18. Januar 2020 (17:02)

2011 hatte Bürgermeister Peter Eisenschenk das Zukunftsforum in Tulln ins Leben gerufen. Nun fand es bereits zum achten Mal statt, erneut an zwei Tagen mit einer hohen Dichte an Vorträgen von bekannten Fachleuten.

Hoch war auch die Dichte an Prominenz bei der Eröffnung: Neben Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wurden u.a. auch der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Othmar Karas, Niederösterreichs Bildungsdirektor Johann Heuras oder Gemeindebundpräsident Alfred Riedl gesichtet.

"Niemand weiß, was die Zukunft bringt... Aber unser Handeln kann und soll die Zukunft gestalten", sagte der Gastgeber, Bürgermeister Peter Eisenschenk in seiner Eröffnungsrede. Herzensbildung sei die höchste Form der Bildung. Tulln setzte als "Stadt des Miteinanders" in diesem Bereich eine konkrete Initiative, die das Klima bereits tatsächlich verändert habe: "Das tut nicht nur jedem Einzelnen gut, sondern auch der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt."

Landeshauptfrau schätzt Blick über den Tellerrand

Dieses Zukunftsforum finde am Beginn eines neuen Jahrzehnts, "einer Zeit, die sehr herausfordernd sein wird", statt - das betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Es sei notwendig, immer wieder einen Blick über den Tellerrand zu werfen, nur so können neue Konzepte entstehen. Tulln sei ein Hotspot für Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und moderne Technologie. Im Technopol gibt es bereits mehr als 1.000 Arbeitsplätze, gerade erst habe man den Spatenstich für die vierte Ausbaustufe des Technologie- und Forschungszentrums gesetzt. Mit dem Haus der Digitalisierung entstehe ein weiteres Leuchtturmprojekt in Tulln. Auch auf den Klimawandel ging die Landeshauptfrau ein: "Wir haben in Niederösterreich einen klaren Stragegieplan und tun, was das Land tun kann." In Sachen Zukunftsforum versprach Mikl-Leitner: "Wir werden alle diese Initiativen, die hier diskutiert werden, in unsere Strategie aufnehmen."

Bundespräsident plädiert für Streitkultur

In Anlehnung an den Festvortrag von Neurowissenschafter Joachim Bauer ging Bundespräsident Alexander Van der Bellen ebenfalls auf die Frage ein, was eine Gesellschaft zusammenhält, notwendig aber nicht hinreichend, sind das unter anderem "Das Ehrenamt, das Verhältnis Stadt-Land und die Art, wie wir miteinander streiten."

Ohne Ehrenamtliche "wäre unser Zusammenleben ärmer", so Van der Bellen, "sie sind das Feuer, das unsere Gesellschaft wärmt, um es poetischer auszudrücken." Im Verhältnis Stadt-Land biete etwa das Breitband, "ganz neue Möglichkeiten, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu verbessern". Und ja, auch Streit, nämlich "wenn man es richtig macht, also zivilisiert und gewaltfrei", fördere den Zusammenhalt. Das funktioniere aber nur, wenn man davon ausgeht, dass der andere auch recht haben könnte. "In der Regel ist das natürlich nicht der Fall, aber es könnte ja sein", so Van der Bellen schmunzelnd. 

Vision globaler sozialer Gerechtigkeit

Dass es in einer modernen Gesellschaft sehr, sehr viele Aspekte gebe, die den Zusammenhalt fördern, betonte Festredner Joachim Bauer. Er hob die Bedeutung des sozialen Umfelds für die Entwicklung eines Menschen hervor und appellierte, an die elterliche Fürsorge, die Erziehung der Kinder nicht dem Internet zu überlassen. 

Weiters müsse ein Mensch sich kreativ entfalten können und erleben, dass andere diese Bemühungen auch anerkennen und wertschätzen. Auch Bauer betonte, dass das Land von jenen, die sich ehrenamtlich engagieren zusammengehalten werde, aber auch von Pflegekräften, Lehrern, Polizisten, Rettungskräften und Politikern. Für die Zukunft hofft Bauer, dass Mensch und Natur miteinander Frieden schließen und globale soziale Gerechtigkeit erreicht werde. "Visionen wie diese müssen von vorbildlichen Menschen vertreten werden, von charismatischen Persönlichkeiten, die keinen Kult um sich selbst machen, Menschen die einen und nicht spalten", so Bauer und abschließend: "Ich glaube, dass Sie einen solchen in Österreich schon haben. Wir in Deutschland sind noch auf der Suche."