FFP-2 Maskenpflicht: Maske vs. Männlichkeit. Wenn schon Bart, dann gepflegt. Wie unterschiedlich Männer mit Schnauzer, Vollbart und Co. umgehen, hat die NÖN letzte Woche recherchiert.

Von Doris Firmkranz und Helga Urbanitsch. Erstellt am 12. Februar 2021 (04:47)

Sein mächtiger Rauschebart war über 30 Jahre eine Art Markenzeichen von Bruno Brunner. Der angesehene Facharzt für Interne Medizin hat sich ihm durch drei Jahrzehnte lediglich zum Kürzen mit der Schere, nie jedoch mit dem Rasierer genähert. Corona ist schuld, dass er sich nun von seiner Bartpracht trennen musste.

„Es war eine schwere Entscheidung, aber in der Öffentlichkeit garantiert der mächtige Bart die Dichtheit der verpflichtenden FFP2-Masken nicht. Es ist zutiefst traurig!,“ bedauert Bruno Brunner den Verlust seines gewohnten Gesichtsschmuckes. „Meine Frau gibt jetzt ihrem Handy den Gutenachtkuss, weil sie dort ein Bild von mir aus guten Zeiten hat.“

„Meine Frau gibt ihren Gutennachtkuss jetzt ihrem Handy.“ Bruno Brunner hat seinen Bart, aber nicht den Humor verloren.

Die FFP2-Maskenpflicht wurde eingeführt, um die Verbreitung des Coronavirus besser unter Kontrolle zu bringen. Das ist jedoch nur zu erreichen, wenn die Maske auch möglichst dicht am Gesicht anliegt.

Als die Meldung „wenn die Maske richtig wirken soll, dann muss der Bart ab“ kam, war bei vielen Bartträgern die Aufregung groß. Während die einen, so wie Bruno Brunner, beschlossen, sich schweren Herzens von ihrem Bart zu trennen, litten andere wieder darunter, dass es im strengen Lockdown unmöglich war, die für sie unerwünschte Gesichtsbehaarung nicht wie gewohnt vom Friseur entfernen lassen.

Seit der Öffnung der Friseurläden letzten Montag hätten sie jetzt Gelegenheit dazu. Doch offensichtlich legt nicht jedermann gleich viel wert auf ein gepflegtes Äußeres.

Beim Männer- und Kinderfriseur in der Wienerstraße werden üblicherweise jede Menge Männerbärte gekürzt, rasiert und gepflegt. Die Frustration ob der derzeitigen komplizierten Zugangsregeln ist dem Barbier Abdullah anzusehen. „Es haben so viele kurzfristig abgesagt“, sagt er mit einem kritischen Blick in sein Auftragsbuch. „Viele, die sich vorangemeldet haben, sagen ganz plötzlich kurzfristig ab, weil sie sich, aus welchen Gründen immer, nicht testen lassen wollen. Und ohne negativem Testbescheid darf ich keine Kunden annehmen.“

Nie und nimmer hätte Josef Mayerhofer gedacht, auf seinen eindruckvollen Zwirbelbart verzichten zu müssen. Lange setzte er dabei auf „Doppelstrategie“: „Ich habe stets die vorgeschriebene Maske getragen und penibel Abstand gehalten“, so der ranghohe Bundesheeroffizier. Doch trotz eiserner Disziplin fiel die Bartpracht Anfang dieser Woche der Pandemie zum Opfer. „Sicher ist sicher“, so Mayerhofer. Und so hieß es – ebenso wie für seinen Vollbart tragenden Sohn – „Bart ab!“.

Das sieht auch Peter Höckner, Direktor der MMS Tulln so. Sein Bart ist wesentlich kleiner und stört die Maske nicht: „Ich werde mir den Bart nicht abrasieren, aber ich trage ihn jetzt auf jeden Fall kürzer als früher und da passt er perfekt unter die Maske“, so Höckner über seinen gepflegten Bart.

Nach Lust und Laune wird der Bart fallen

Einmal mit und einmal ohne Bart ist der Französisch- und Sport-Professor am Tullner Gymnasium Leo König anzutreffen. Auch er kann sich nicht von seinem Bart trennen.

„Vielleicht kommt er wieder einmal weg, aber nicht wegen Corona, das mach ich je nach Lust und Laune“, erklärt König.

Übrigens bleibt es jedem Friseur selbst überlassen, ob er jetzt in der Corona-Zeit Bärte schneiden, kürzen oder abrasieren möchte. „Es wäre erlaubt, ist ja jeder negativ getestet, der zum Friseur kommt“, weiß die Landesinnungsmeisterin Silvia Rupp.