Gleiches Malheur wie in Langenrohr

Gemeindearzt schlägt Alarm, es gelte „unberührte Natur zu erhalten.“ Bürgermeister sind die Hände gebunden.

Thomas Peischl
Thomas Peischl Erstellt am 18. Februar 2018 | 04:48
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Gemeindearzt Andreas Prem fotografierte die Abholzungsarbeiten. Er appelliert: „ Wir sind Natur – es lebe unsere gemeinsame Natur!“
Foto: NOEN, privat

Die Abholzungsarbeiten am Flussufer der Großen Tulln werden fortgesetzt, nach Langenrohr jetzt in Judenau. „Im Bogen um das Schloss herum wurde brutal ein großer Teil der wenigen Bäume umgeschnitten“, berichtet Gemeindearzt Andreas Prem. Gründe dafür gebe es sicher genug, doch wichtig sei, was passiert. „Es macht mich sehr betroffen, denn ich fahre hier fast täglich mit dem Fahrrad in meine Ordination, sehe und spüre die Bäume. Sie fehlen mir“, so Prem.

Bürgermeister Georg Hagl kennt die Problematik: „Es ist das gleiche Malheur wie in Langenrohr." 

Ursache für die teils radikalen Abholzungen ist ein Bescheid, der auf die Errichtung der Kraftwerks Greifenstein zurückgeht (damals DOKW, heute Hydro Verbund Austria). „Darin steht u.a. auch, dass der Bereich um das Flussbett von Bewuchs freizuhalten ist“, erklärt Hagl weiter. In zahlreichen Besprechungen habe er versucht, möglichst viele Bäume zu retten. „Natürlich ist der Naherholungsbereich schön und idyllisch, aber es geht auch um Sicherheit“, betont der Bürgermeister. In Jedenspeigen wäre beispielsweise vor einigen Jahren bei einem Marchhochwasser ein (bewachsener) Damm gebrochen. So etwas müsse verhindert werden, denn: „Wer haftet, wenn etwas passiert? Aber wie gesagt: Wir kämpfen um jeden Baum.“

Dafür setzt sich auch Gemeindearzt Prem ein: „Denn ein natürliches Umfeld bringt Gesundheit im Menschen hervor und erhält sie und das ist am Wichtigsten, da wo wir leben.“ Bäume und wildes Strauchwerk unterstützen das Wohlbefinden. Kindern können hier spielend ihre Umwelt erkunden. Dazu kommt in Zeiten des Klimawandels die Schaffung eines intakten Mikroklimas durch Staubbindung, Lärm- und Sonnenschutz und Atemluftreinigung. „Die wilde und unberührte Natur gilt es zu erhalten!“, fordert der Gemeindearzt.