Arbeit mit Behinderung: „Man fällt in ein Loch“. Nach ihrem Unfall verlor Beate Hofmacher ihren Job. Heute hat sie eine neue Stelle.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 25. April 2019 (03:36)
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Schachspielen mit den Bewohnern ist ein lieb gewonnenes Hobby für Leiterin Martina Dillinger (r.) und ihr Team. Im Wohnprojekt Edgar in Kierling hat Krankenpflegerin Beate Hofmacher (2.v.r.) nach ihrem Unfall einen Job gefunden. AMS-Leiter Hans Schulteis und Daniela Pruckner (v.l.) helfen Arbeitssuchenden mit Behinderung.

Es war der 3. Jänner 2014 – ein Datum, das Beate Hofmacher nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Die Krankenpflegerin stürzte – am letzten Tag der Probezeit, der Arbeitsvertrag war bereits unterschrieben. Schnell war klar, dass Hofmacher nicht in ihr altes Leben zurückkehren kann. Ein gebrochener Speichenkopf, fünf Operationen und drei Jahre Krankenstand später startete die Krankenpflegerin neu durch: als Betreuerin im Kierlinger Wohnprojekt Edgar, einem Zentrum für psychisch Beeinträchtigte.

„Nach dem Unfall fällt man in ein Loch. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand sagt: ,Du bist trotzdem etwas wert, wir kriegen das hin’“, erinnert sich die Zwentendorferin. Kraft schöpfte Hofmacher aus Hobbys, der Natur, ihrer Familie – und aus sich selbst. Auf Eigeninitiative fand sie den neuen Job in Kierling. „Ich war beruflich immer eine, die zwölf Stunden gerannt ist und angepackt hat“, so die Krankenpflegerin. Die Motivation ist die gleiche geblieben, Einschränkungen durch den verletzten Arm macht die Betreuerin durch Arbeitseifer wett.

Die neue Stelle in Kierling ist ein Glücksfall für Hofmacher. Menschen mit Behinderung haben es am Arbeitsmarkt nämlich besonders schwer. Im Bezirk Tulln sind 121 Personen – 73 Männer und 48 Frauen – beim AMS gemeldet. Leiter Hans Schulteis setzt sich für das Jahr 2019 ein ambitioniertes Ziel: Mindestens 70 Arbeitslose mit Behindertenpass sollen einen Job finden.

Arbeitslosenquote: Plus von 21 Prozent

Schulteis: „Behinderung heißt nicht, dass es keine gute Arbeitskraft ist.“ Edgar-Leiterin Martina Dillinger hakt ein: „Ganz im Gegenteil! Es kann eine große Bereicherung sein, wie bei uns Frau Hofmacher.“ Die Zahlen zeigen leider ein anderes Bild: Während die Arbeitslosenquote im Bezirk insgesamt um neun Prozent gesunken ist, ist die Zahl der Jobsuchenden mit Behinderung um 21 Prozent gestiegen.

Mit finanziellen Zuschüssen will das AMS diesem Trend gegenwirken. In Kooperation mit dem Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) des Sozialministeriumsservice wird dafür gesorgt, dass ein Einstieg für alle Beteiligten bestmöglich gelingen kann. Daniela Pruckner von NEBA betont: „Wir wollen Unternehmern die Angst nehmen. In offenen Gesprächen überlegen wir, welche Klienten passen.“ Und: „Wenn Menschen ,Behinderung‘ hören, denken sie an Rollstuhlfahrer. Die Bandbreite ist viel größer – oft sind es nicht sichtbare Erkrankungen.“

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