ELGA braucht seine Zeit. Die E-Medikation stellt Ärzte, Apotheker und Patienten derzeit noch mitunter auf eine Geduldsprobe, aber – sie macht Sinn und dient der Patientensicherheit.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 20. Mai 2019 (03:09)
Alexander König
Alexander König

Die Warteschlange vor dem Schalter der Apotheke ist lang. Bald reicht sie hinaus bis auf die Straße. Grippewelle? Polleninvasion? Virusattacke? Ein Grund warum es jetzt manchmal in Apotheken zu längeren Wartezeiten kommen kann, ist mitunter ein banaler: bürokratische Hürden durch die Einführung der E-Medikation.

Ab 4. April hatten Ärzte und Apotheken im Bezirk Tulln die Möglichkeit E-Medikation zu testen. Seit 25. April gilt bereits ein sogenannter Verpflichtungstermin. Seither setzen Ärzte und Apotheken im Bezirk Tulln die E-Medikation verpflichtend um.

Die Pilotregion N2, zu der neben Bruck/Leitha, Gänserndorf, Hollabrunn, Horn, Korneuburg und Mistelbach auch der Bezirk Tulln zählt, liefert laut NÖGUS-Vorsitzendem Martin Eichtinger „erfreuliche Zahlen“: 70 Prozent bei den Apotheken und 71 der niedergelassenen Ärzte und Ambulatorien sind bereits angeschlossen. Somit können wir ab 6. Juni die E-Medikation flächendeckend in Niederösterreich anbieten.“

„Dadurch verhindern wir Doppelverordnungen und unterstützen Ärzte- und Apothekerpersonal bei der Diagnose durch fundiertes Datenmaterial“

Über die ELGA-Plattform können die Bürger selbst ihre Daten kostenlos einsehen. „Dadurch verhindern wir Doppelverordnungen und unterstützen Ärzte- und Apothekerpersonal bei der Diagnose durch fundiertes Datenmaterial“, zeigt Eichtinger die Vorteile auf.

ELGA steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Das Einlesen und Prüfen der Karten am Computer durch den Apotheker will gelernt sein und erfordert mitunter die Geduld des Kunden bzw. des Patienten. Anette Hoffelner, Inhaberin der Sonnenapotheke in Tulln, rechnet mit bis zu einem Jahr, ehe man die Software perfekt beherrscht und sich alles optimal eingespielt hat.

„Schade nur, dass das eine abgespeckte Version ist“, bedauert Hoffelner, dass Wahlärzte nicht mit dabei sind. „Grundsätzlich ist das schon eine Sache, die Sinn macht.“ Es brauche aber Zeit, um feststellen zu können, ob das Projekt auch bringt, was es verspricht.