Gastro: „No show“ kann teuer werden. Gastronomie überlegt, bei Nichterscheinen Stornogebühr einzuheben.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 20. März 2019 (04:08)
Firmkranz
Rudi sen., Rudi jun., und Gabi Köckeis vom Gasthaus Reif in Judenau haben keine Angst auf ihren freien Plätzen sitzen zu bleiben.

Abends kommt plötzlich der große Hunger? Sonntags mal mit der Familie essen gehen? Aber geht denn das ohne Reservierung? Da platzt man spontan in ein Lokal und ärgert sich, dass man freundlich, aber bestimmt, zu hören bekommt: „Heute sind wir ausgebucht.“ Meist sind tatsächlich alle Plätze besetzt.

Es kommt aber auch immer wieder vor, dass gedeckte Tische leer bleiben. Weil die Gäste einfach nicht kommen oder kurzfristig abgesagt haben.

Ein Ausweg, den nun oftmals Vertreter der ohnehin heftig gebeutelten Gastroszene beschreiten, besteht im Einheben von Stornogebühren. Was etwa in der Bundeshauptstadt bereits praktiziert wird, ist am Lande keinesfalls Gang und Gebe.

Bezirksvertrauensmann Herbert Bonka jun.: „In der Praxis ist das schwer durchführbar, da man ja oft nicht weiß, wer hinter der Reservierung steckt, wenn diese telefonisch aufgegeben wurde.“ Er selbst hat noch wenig negative Erfahrung gemacht, weiß jedoch von langfristig geplanten, und dann letztendlich geplatzten Hochzeitsfeiern, wo die Paare offensichtlich „vergessen“ hatten, die Reservierung für die Hochzeitstafel zu stornieren.

Die Spitzengastronomie leidet besonders unter dem Phänomen, das Insider als „No show“ bezeichnen. „Das muss man sich vorstellen. Wenn ich im Lokal zehn Tische hab’, und nur ein einziger bleibt leer, ergibt das einen Einkommensverlust von 10 Prozent“, so Haubenwirt Josef Floh aus Langenlebarn.

Ausbleiben ist auch ein menschliches Problem

Er freut sich, wenn Gäste einen Lokalbesuch in jedem Fall, und sei es telefonisch, kurz davor, ankündigen.

Obwohl die wirtschaftliche Seite zu beachten ist, sind Stornogebühren für ihn vorerst kein Thema. Kommentarlos auszubleiben ist für „Pepi“ Floh auch menschlich gesehen bedenklich: „Das ist respektlos. Solche Gäste sollten ein schlechtes Gewissen haben. Alle anderen sind herzlich willkommen.“

Gasthäuser, wo sich mehrköpfige Familien Essen gehen leisten können, werden rar (Stichwort Wirtshaussterben). So konzentriert sich besonders an Sonntagen alles auf die wenigen Betriebe, die sich noch tapfer behaupten. Reservieren ist deshalb unbedingt anzuraten. So auch im Gasthaus Reif in Judenau. Sonntagmittag herrscht Hochbetrieb. „No show“ kennt man nicht. „Die, die reserviert haben, kommen auch“, freuen sich die Wirtsleute.

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