Gegen die Affenhitze gewappnet. Seit 1. Mai gelten 32,5 Grad als neuer Maßstab – wie nutzen Arbeitgeber der Region die neue Regelung für ihre Arbeiter?

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 31. Juli 2019 (03:16)
NÖN

Viele Autofahrer denken mit Grauen an jene Zeit zurück, als vor nunmehr exakt vier Jahren die L112 – die sogenannte Asparner Gerade – einer Teilsanierung unterzogen werden musste. Sie verlief nicht ganz nach Plan, Temperaturen weit über 30 °C verzögerten, neben Materialfehler der bauausführenden Firma, die Aufbringung des endgültigen Belages um Monate.

Heuer jagt eine Hitzewelle die andere. Trotzdem ist die Umfahrung Langenrohr (Asparn – Kronau) laut dem Leiter der Straßenbauabteilung Tulln Helmut Salat wie geplant „voll im Laufen“, und die Arbeiten eines Teilabschnittes der L120 zwischen Nitzing und Höhe Flugfeld konnte aufgrund des „Schönwetters“ sogar einen Tag früher als geplant abgeschlossen werden. „Mir sind auch sonst keine bei diesen Temperaturen üblichen Fahrbahnschäden, die durch den Schwerverkehr verursacht werden, bekannt“, so Salat.

„Hitzewellen gibt es jedes Jahr“

Nicht jeder hat das Glück, über einen klimatisierten Arbeitsplatz oder zumindest über einen kühlen Rückzugsort zu verfügen. Jene, die oft viele Stunden in praller Sonne Schwerarbeit verrichten müssen, leiden besonders unter den extrem hohen Temperaturen. Dazu gehören Pizzabäcker ebenso wie Asphaltierer oder Bauarbeiter.

„Hitzewellen gibt es jedes Jahr,“ meint dazu Reinhard Schlögl, „das ist für uns nichts Besonderes.“ Der Polier beaufsichtigt bis zu 35 Bauarbeiter, die mit der Errichtung einer Wohnhausanlage der Tulln-Bau im Süden der Stadt beschäftigt sind. Er erinnert sich an einen Sommer Mitte der 90er: „Da hat es in Wien neun Wochen lang nicht geregnet.“

Die Entscheidungsträger der Baufirma Porr haben das Problem jedoch erkannt und angesichts der extrem erschwerten Arbeitsbedingungen Maßnahmen ergriffen. So wird bereits in den frühen Morgenstunden mit den Arbeiten am Bau begonnen, dazwischen gibt es mehrere Pausen, die die meisten Arbeiter dazu nützen, sich in die – mit einer Klimaanlage ausgestatteten – Container zurückzuziehen. Wegen erhöhter Feuergefahr, etwa durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, ist ein Feuerlöscher stets griffbereit.

Sonnenbrille, Wasser und Creme gibt’s gratis

Schlögl schätzt, dass die Leistungsfähigkeit bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad-Marke um rund ein Drittel sinkt. Gesundheitlich hätte es auf seiner Baustelle bisher keine Probleme gegeben. „Ich schau vor allem drauf, dass meine Leute genug Wasser trinken.“ Mineralwasser wird den Arbeitern am Bau übrigens gratis zur Verfügung gestellt, ebenso wie Sonnencreme und Sonnenbrille.

Nicht nur die körperliche Kondition der Männer scheint zu stimmen, auch psychisch sind die Arbeiter gut drauf. Durch Hitze bedingte Aggressivität kennt man auf der Baustelle nicht – Poliere werden zudem dahingehend in psychologischen Seminaren geschult.

Mit dem Bau der insgesamt 90 Wohnungen wurde Mitte Dezember 2018 begonnen, die ersten Bewohner sollen Ende Mai 2020 pünktlich einziehen. „Verzögerungen sind in unserem Gewerbe nicht mehr erlaubt“, so Reinhard Schlögl, „aufgrund des großen Interesses an den Wohnungen besteht der Wunsch nach einem früheren Einzugstermin.“ Um Verzögerungen wett zu machen, bedarf es einer Aufstockung des Personals, das wiederum schwer zu bekommen ist. Doch das ist eine andere Baustelle ...

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