Homöopathie: Lager der Mediziner gespalten. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie über das heikle Thema denken.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 12. Dezember 2018 (03:04)
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„Wer heilt, hat recht, aber nicht jeder hat das Recht, zu heilen“ – dieser Spruch von Gerhard Uhlenbruck (geboren 1929, deutscher Immunbiologe und Aphoristiker) scheint derzeit auf einen großen Teil der Alternativmedizin zuzutreffen. Homöopathie soll an der Universität als Lehrfach abgeschafft, Globuli und Co. nicht mehr verkauft werden dürfen.

Eine aufmerksame Beobachterin dieser Entwicklungen ist Allgemeinmedizinerin und Homöopathin Andrea Becker, die in ihrer Tullner Wahlarztpraxis bereits die dritte Patienten-Generation mit der alternativen Heilmethode behandelt.

„Mich begeistert diese Methode immer wieder neu durch ihre sanfte und zugleich tief greifende Wirkung und die breite Einsatzmöglichkeit in jedem Lebensalter und jeder Lebensphase“, bekennt Becker.

200 Jahre altes Wisen über Arzneimittel

„Schade, dass die Diskussion so emotional geführt wird. Mehr Sachlichkeit wäre angebracht“, wünscht sich die Medizinerin. Schließlich erwerbe man sein Wissen nicht in einem Wochenendseminar, sondern dahinter stünde eine lange und intensive Ausbildung.

Andrea Becker versteht nicht, wie eine über 200 Jahre alte, bewährte Heilmethode so plötzlich in Verruf kommt. Zumal hier uraltes Arzneimittelwissen zugrunde liegt und diese „Mittelchen“ längst von der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) als Arzneimittel anerkannt sind.

„Die Diskussion ist nicht neu“, weiß Annette Hoffelner, Inhaberin der Sonnenapotheke im Ärztezentrum an der Staasdorferstraße. „Das ist ein ein Auf und Ab. Die Szene ist derzeit in zwei Lager gespalten.“ Es wäre ein Kunststück, hier einen Konsens herbeizuführen.

Den, findet Birgitt Krenn-Bösel (Apotheke zur goldenen Krone), müsse es auch nicht geben. „Wissenschaftler dürfen dagegen sein, begeisterte Anwender dürfen dafür sein. Warum der Gesetzgeber aber Homöopathie verbieten will, verstehe ich nicht. Im Sinne des Konsumenten- und Patientenschutzes kann es wohl nicht sein. Oder muss man den Patienten vor homöopathischen Nebenwirkungen schützen, wenn es angeblich keine Wirkung gibt? Und teuer ist Homöopathie in der Regel nicht.“

„Arzt und Patient müssen daran glauben“

Stadtarzt Franz Bichler über Wirken und Nichtwirken homöopathischer Arzneien: „Das Wesentliche ist wohl, dass Arzt und Patient an die Homöopathie glauben. Ich bin kein Homöopath und glaube nicht an diese Therapieform. Wenn sich aber der Patient nach einem Besuch beim Homöopathen besser fühlt, freue ich mich und versuche dann nicht die Homöopathie schlechtzureden.“

Für ihn ist entscheidend, ob sich ein Medikament in einer randomisierten Doppelblindstudie bewährt hat. Dabei dürfen weder die Patienten noch die Ärzte wissen, wer in welcher Gruppe ist. „Auf diese Weise wird ausgeschlossen, dass man den Placeboeffekt, der sich in beiden Gruppen einstellen sollte, mit dem Effekt des zu prüfenden Medikaments verwechselt“, erklärt Bichler.

Eben dort haken Homöopathen ein. Es gäbe zwar keine entsprechende Studien, aber die Wirkung homöopathischer Arzneimittel auf Tiere sei unübersehbar. Das gelte im Übrigen auch für Säuglinge, wodurch sich etwaige Heilungserfolge nicht allein mit dem Placebo-Effekt erklären ließen.

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