Hundehaltegesetz: Hund und Herrl im Visier. Rund um die verschärften Bestimmungen ist eine heftige Diskussion entfacht worden.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 13. November 2019 (04:57)
S tadt und Polizei auf einer Linie: Christian Holzschuh, Gerald Hürner, Christopher Lampl, Julia Schwanzer und Bürgermeister Peter Eisenschenk. Stadtgemeinde
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Innerhalb nur weniger Wochen im heurigen Sommer sorgten im Bezirk Tulln gleich drei Hundeattacken für Aufsehen. Ende Juni biss ein Pitbull in Tulln einen Buben, einen Sanitäter sowie die Freundin des Besitzers. Zwei Wochen später musste eine Fußgängerin in Muckendorf nach einer Bissattacke medizinisch versorgt sowie zwei kleinere Hunde notoperiert werden. Und schließlich erfolgte in Klosterneuburg Ende Juli der Angriff eines Vierbeiners auf ein neun Monate altes Mädchen.

Regelmäßige Treffen und gemeinsam gesetzte Schwerpunkte tragen zur ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der Stadtgemeindde bei.“ BP-Kommandantin Sonja Fiegl

Im Zuge solcher Vorfälle erfolgt stets der laute Ruf nach einer Verschärfung des Hundehaltegesetzes. Jetzt wurde es tatsächlich verschärft – und plötzlich scheint es vielen zu scharf ausgefallen zu sein (siehe Leserbriefe auf Seite 4).

Vor allem mit dem Begriff „größere Menschenansammlungen“ können viele nichts anfangen. Sie finden sich etwa in Einkaufszentren wie die Rosenarcade. Center-Leiterin Katharina Gferer ergänzte: „Bei uns besteht grundsätzlich Leinen- und Maulkorbpflicht. Sie wird vom eigenen Sicherheitsdienst überwacht.“ Zu gröberen Vorfällen sei es nicht gekommen.

In Tulln sind rund 1.000 Vierbeiner angemeldet. Wissenswertes finden Hundehalter im Folder „Hund in Tulln“, erstellt von der Stadtgemeinde. „Alle unsere Informationsmaterialien werden wir auf das neue NÖ Hundehaltegesetz abstimmen und auf die neuen Regelungen und Anforderungen hinweisen“, lautet es aus dem Rathaus, „die weiteren sich mit dem neuen Gesetz bietenden Möglichkeiten, wie die Verordnung von Hundesicherungszonen müssten erst geprüft werden.“ Als „Stadt des Miteinanders“ möchte man jedoch eher zu einem rücksichtsvollen, harmonischen Miteinander aufrufen, als immer mehr Reglementierungen einzuführen.

In dieselbe Kerbe schlägt die Exekutive, der es obliegt, Leinen- und Maulkorbpflicht zu überwachen. Bezirkspolizeikommandantin Sonja Fiegl: „Die Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Tulln funktioniert ganz ausgezeichnet, dazu tragen regelmäßige Treffen und gemeinsam gesetzte Schwerpunkte bei.“

Kürzlich meldete sich in der Redaktion ein Mann, der 40 Euro berappen musste, weil er die wenigen Schritte vom Auto zum Haus seinen betagten Hund nicht an der Leine geführt hatte. Doch hätte es für ihn noch dicker kommen können. Gibt sich ein Besitzer nämlich uneinsichtig, kommt es zur Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft als Verwaltungsstrafbehörde.

Bei den Schwerpunktkontrollen im vergangenen September wurden insgesamt sieben Abmahnungen und sechs Organmandate ausgestellt. Bei drohenden Verstößen kann eine Ermahnung ausreichen. Das Hundehalte-Gesetz sieht einen Strafrahmen von bis zu 10.000 Euro vor.

„Im Vorjahr wurden 83 Anzeigen nach dem Hundehaltegesetz getätigt. Heuer sind – Stand 8. November – 68 bei uns eingelangt“, berichtete Bezirkshauptmann -Stellvertreter Josef Wanek. Es ließe sich derzeit kein Trend, weder nach oben noch nach unten hin, erkennen.

Auf verantwortungsvolle Hundehalter wartet in Tulln demnächst ein besonderes Zuckerl: Neben den beiden Hunde-Freilaufzonen beim neuen Friedhof und an der Donaulände im Westen der Stadt gesellt sich bald eine rund 1.150 m² Hundezone auf dem Freizeitareal rund um BMX-Bahn, Skateplatz und Verkehrskindergarten.

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