Marion Török :„Sollten uns mehr zutrauen“. Wie Frauenpolitik in unserem Bezirk funktioniert, hat die NÖN für Sie diese Woche recherchiert.

Von Gabi Gröbl, Doris Firmkranz und Monika Gutscher. Erstellt am 06. März 2019 (03:22)
SPÖ
Marion Török

Marion Török ist Bürgermeisterin von Zwentendorf. Ihre politische Laufbahn begann vor 19 Jahren mit dem Vorhaben, in den Bereichen Jugend, Kinder und Familie etwas zu bewegen. „Gerade die kommunale Ebene kann am meisten für die Menschen in der Gemeinde tun“, meint die SP-Politikerin und wünscht sich „dass Frauen sich mehr zutrauen.“

NOEN

Genau das sagt auch Anna Haider, Vizebürgermeisterin von Tulbing. „Als ich mit 24 Jahren 1985 erstmals in den Gemeinderat gewählt worden bin, war die Akzeptanz natürlich nicht sehr groß.“ Dies hätte sich aber im Laufe der Zeit durch Engagement und Arbeitswillen geändert. „Als Frau überlegt man viel länger, ob man eine Funktion annimmt und wie man Familie, Beruf und Politik schaffen kann“, betont Haider. „Mich stört, dass ein Ranking, was Frauen oder Männer besser können, entsteht. Wichtig ist, was man gemeinsam schaffen kann. Die Zusammenarbeit mit Männern ist hervorragend, wenn man die Spielregeln der gegenseitigen Wertschätzung beachtet.“

Auch Josefa Geiger wollte etwas bewegen, als sie im Alter von 14 Jahren der Jungen ÖVP beitrat. Heute ist sie Bürgermeisterin von Sieghartskirchen. „Das bin ich gerne und bin auch stolz drauf.“ Mit sechs Brüdern aufgewachsen, stellte sich für Geiger nie die Frage nach der Durchsetzungskraft: „Die Zusammenarbeit funktioniert bei uns gut. Es gibt schon Diskussionen, weil ich viel hinterfrage. Das sind Männer nicht so gewöhnt. Ich möchte mich nach einer Entscheidung noch in den Spiegel schauen können.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass „viele Frauen den Mut aufbringen und politisch in den Vordergrund treten.“

St. Andrä-Wörderns Vizebürgermeisterin Ulli Fischer meint: „Wer in der Kommunalpolitik tätig ist, sollte versuchen, die Welt im Kleinen zu verbessern.“ Heiße Kohlen würden oft gar nicht angegriffen, das koste Zeit. „Politik ist ein Zeitfresser, Frauen haben schlichtweg oft Besseres zu tun als zu diskutieren.“

Neben ihrer Funktion als Gemeinderätin in ihrer Heimatgemeinde Königstetten ist Doris Hahn (SPÖ) als Bundesrätin „ranghöchste“ Politikerin des Bezirks. Vereinzelt sieht sie sich konfrontiert mit Vorurteilen, und umso mehr freut sie sich, wenn sie ihrem Gegenüber dahingehend die Augen öffnen konnte. „Man lernt so viele Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Anliegen, Bedürfnissen, Wünschen kennen – das ist eine wirkliche Bereicherung, die ich auf keinen Fall missen möchte“, streicht Doris Hahn die schönen Seiten politischer Tätigkeit hervor.

Abschließend sei Marion Török zitiert: „Wir sind alle Menschen, nicht das Geschlecht entscheidet bei der Zusammenarbeit, sondern die Charakterstruktur jedes Einzelnen.“

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