Motorrad-Kontrollen: 137 km/h in 70er-Zone. Polizei setzte im Bezirk Tulln bereits 100 Schwerpunkt-Aktionen. Bezirksinspektor Schilcher: „Vor allem der Lärm ist und bleibt ein schwieriges Thema.“

Von Thomas Peischl und Monika Gutscher. Erstellt am 14. Mai 2020 (04:53)
Polizisten bei einer Motorradkontrolle am Riederberg. Die Schwerpunktaktionen sollen in den nächsten Wochen fortgesetzt werden.
Polizei

Prachtwetter und Corona bedingt geleerte Straßen lieferten Bikern in den letzten Wochen ideale Bedingungen. Die Schattenseite: Verkehrslärm, der vor allem Anrainer entlang beliebter Motorradstrecken im Wienerwald plagt, und erhöhtes Unfallrisiko.

„Wir sind genau aus diesen Gründen seit Mitte März jedes Wochenende verstärkt mit Streifen draußen“, berichtet Bernhard Schilcher vom Bezirkspolizeikommando Tulln. Bislang setzte die Polizei im Bezirk exakt 100 Schwerpunktaktionen, die je nach weiterem Einsatzaufkommen zwischen 30 Minuten und zwei Stunden dauerten. Vorläufige Bilanz: 140 Organmandate und 289 Anzeigen. Trauriges Highlight: In einer 70er-Zone am Riederberg wurde ein Biker mit 137 km/h gemessen.

Lärmbelästigung durch Motorräder

„Vor allem der Lärm ist und bleibt ein schwieriges Thema“, sagt Schilcher. Erstens gebe es in ganz Niederösterreich nur sehr wenige Messgeräte, die abwechselnd an verschiedenen Orten zum Einsatz kommen. Zweitens seien die im Zulassungsschein angegebenen Dezibel-Werte auf ein „normales Durchschalten“ der Gänge abgestimmt. „Wenn ein Biker einen Gang richtig ausdreht, kann das schon noch um einiges lauter werden“, erklärt Schilcher weiter. Das erschwere die Kontrolle der Einhaltung der erlaubten Werte.

Den häufig geäußerten Vorwurf, dass die Polizei in dieser Sache zu wenig unternimmt, lässt der Bezirksinspektor nicht gelten: „Wir sind bemüht, viel unterwegs und werden auch in nächster Zeit verstärkte Kontrollen durchführen.“ Ein großes Anliegen in diesem Zusammenhang: „Wir ersuchen, Beschwerden nicht schriftlich einzubringen, sondern gleich bei der zuständigen Polizeiinspektion anzurufen. Diese kann sich dann gleich dem Problem annehmen.“ Außerdem reduziere das den administrativen Aufwand, was wiederum bedeutet, dass mehr Polizisten auf der Straße unterwegs sein können.

Bezirksinspektor Bernhard Schilcher zieht Bilanz über die ersten 100 Schwerpunktaktionen im Bezirk.
NOEN

„Ich möchte mich aber auch bei den vielen Motorradfahrern bedanken, die sich diszipliniert und respektvoll verhalten“, ergänzt Bezirkspolizeikommandantin Sonja Fiegl. Ihr Dank gilt außerdem Bürgermeister Thomas Buder (Tulbing) und Manfred Henninger von der Bezirkshauptmannschaft Tulln „für die besonders gute Kooperation“.

„Durchfahren ja, Rennen nein! Wir werden alles unternehmen, um die paar Prozent an uneinsichtigen Vollidioten Einhalt zu gebieten.“

Tulbings Bürgermeister Thomas Buder äußert sich dazu ganz klar: „Durchfahren ja, Rennen nein! Wir werden alles unternehmen, um die paar Prozent an uneinsichtigen Vollidioten Einhalt zu gebieten.“ In Zusammenarbeit mit der Polizei und der BH werde nun mit allen Maßnahmen (Radar, Bodenmarkierungen, Wochenendfahrverbote) gegen die Raser vorgegangen. „Die Polizei ist mittlerweile sehr aktiv“, informiert Thomas Buder, und weiter: „Wir arbeiten auch eng mit unserer Nachbargemeinde Königstetten, die ähnlich stark betroffen ist, zusammen.“

So habe sich etwa die von der BH verordnete Sperre des Parkplatzes bei der Dopplerhütte, der ein sehr beliebter Biker-Treffpunkt ist, als sehr wirksame Maßnahme erwiesen. Auch Königstettens Bürgermeister zeigte sich über die Sperre erfreut: „Somit werden die Zusammenkünfte der Motorradfahrer unterbunden. Außerdem wird der Parkplatz vielleicht auch nach der Krise gesperrt bleiben.“ Nagl findet es schade, dass einige wenige Biker alle anderen, die vernünftig fahren, in Verruf bringen.