Nach Rauschgifthandel: „Wir wollten cool sein“. Zwei Rauschgifthändler sagen, dass sie beim Verkauf nicht viel verdient haben. Die Anerkennung durch die Kunden sei wichtiger gewesen. Das Duo kassiert bedingte Haftstrafen.

Von Alex Erber. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:26)
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Bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten mussten sich in der Vorwoche zwei Suchtgifthändler verantworten. Der Traismaurer (20) und der Sitzenberg-Reidlinger (19) haben Bekannte in unregelmäßigen Abständen mit Cannabiskraut versorgt. Viel Geld verdient haben die barmherzigen Samariter, wie das Duo von Richter Markus Grünberger bezeichnet wurde, nicht: „Wir wollten nett sein, wir wollten cool sein“, gaben die Angeklagten zu Protokoll.

Sie besorgten die Drogen in Wien: „Thaliastraße, Gumpendorfer Straße, Josefstädter Straße, einfach U 6 eben“, nannten der Einzelhandelskaufmann und der sich derzeit im Krankenstand Befindliche die Orte, woher sie Gift bezogen haben. Die Weitergabe war dann ganz einfach. „Kannst du mir helfen?“, lautete die Standardfrage der Kunden. Und man konnte helfen, die Übergaben erfolgten in der Wohnung, vor der Wohnung, am Parkplatz der Firma Forstinger oder am Spielplatz beim Sitzenberger Schlossteich. Kaufpreis pro Gramm Cannabiskraut waren die gängigen zehn Euro, aufgeschlagen haben die Dealer in einigen Fällen, aber nicht in allen, sodass entgegen den Forderungen der Staatsanwaltschaft keine Gewerbsmäßigkeit erkennbar war.

Dem Römerstädter werden letztendlich die Weitergabe von 100 Gramm Cannabiskraut zur Last gelegt, beim Sitzenberg-Reidlinger sind es 270 Gramm.

Der Richter hat die Käufer, die von der Polizei ausgeforscht werden konnten, als Zeugen geladen. Zwei der Auskunftspersonen erschienen nicht. Ein Rumäne dürfte sich in sein Heimatland abgesetzt haben, denn ihn erwartet ein Prozess wegen Einbruchsdiebstahls.

Alter des Käufers war schwer erkennbar

Die fünf Zeugen, die erschienen sind, bildeten ein ebenso erbärmliches Bild wie die Angeklagten. Ein Bursch, bosnischer Staatsbürger, dürfte zum Zeitpunkt seines Kaufs noch minderjährig, konkret 15 Jahre jung, gewesen sein. Der Rechtsanwalt des in dieser Causa beklagten Sitzenberg-Reidlingers wies darauf hin, dass das Alter durch den Oberlippenbart des Zeugen ziemlich schwer erkennbar gewesen sei.

Zwei Zeugen logen bei der Polizei

Dieser Bosnier aus Traismauer wird sich ebenso wie ein Österreicher aus Pixendorf (Bezirk Tulln) auf der Anklagebank wiederfinden, weil ihre Aussagen vor Gericht hinsichtlich der angekauften Menge, beziehungsweise des Übergabeortes, nicht mit den Aussagen vor der Polizei übereinstimmen. „Lügen Sie vor Gericht oder haben Sie bei der Polizei gelogen?“, fragte der Richter. „Bei der Polizei“, lautete die einhellige, knappe Antwort. Die Folge ist ein Gerichtsverfahren wegen Falschaussage (Strafrahmen: drei Jahre Haft).

Die Urteile für die Angeklagten fallen moderat aus: vier Monate, beziehungsweise sechs Monate Haft, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Traismaurer muss sich einer Suchtberatung unterziehen, der Sitzenberg-Reidlinger wird sich in stationäre Suchttherapie begeben. Ausmaß: sechs Monate. „Kostet 4.000 Euro monatlich, wird vom Staat übernommen“, merkt der Richter an.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig.