Pendler bevorzugen die Öffis. Die Bedeutung öffentlicher Verkehrsmittel ist im Steigen begriffen.

Von Doris Firmkranz und Monika Gutscher. Erstellt am 11. Dezember 2019 (03:41)
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Die Muckendorferin Barbara Vacha pendelt seit ihrem 14. Lebensjahr nahezu täglich mit der Bahn nach Wien: „Es ist wesentlich entspannender mit dem Zug als mit dem Auto zu fahren. So kann ich eine halbe Stunde Zeitung lesen, basteln oder mich mit dem Handy beschäftigen. Autofahren wird immer ungemütlicher.“

Sehr viele pendeln nach Wien, aber auch rund 9.500 Menschen haben in Tulln ihren Arbeitsplatz und pendeln so regelmäßig in die Bezirkshauptstadt ein, während im Gegensatz dazu nur etwa halb so viele (5.200) Menschen aus der Stadt auspendeln. Tulln weist damit eine positive Pendlerbilanz auf. Und das obwohl die Zahl der Auspendler seit dem Jahre 1991 von 42 % auf knapp über 60 % im Jahr 2017 kontinuierlich gestiegen ist.

Der Grund liegt auf der Hand: die florierende Wirtschaft. Bürgermeister Peter Eisenschenk erklärt: „Tulln verfügt immerhin über mehr Arbeitsplätze, als so manch andere Bezirkshauptstadt Einwohner hat.“ Innerhalb der Stadtgemeinde gibt es mehr als 12.000 Arbeitsplätze und die Zahl der Erwerbstätigen ist seit 1991 um rund 65 % gestiegen.

„Tulln verfügt immerhin über mehr Arbeitsplätze, als so manch andere Bezirkshauptstadt Einwohner hat.“

„Wir sind stolz auf unsere starke Wirtschaft, denn sie macht wiederum die ganze Stadt stark“, so Eisenschenk weiter. Aktuell sind 1.310 Betriebe gemeldet, das bedeutet eine Steigerung um 35 % in den letzten zehn Jahren. Damit erklärt sich nicht nur die unter dem österreichischen Durchschnitt liegende Arbeitslosenquote, sondern auch, dass es in Tulln mehr Ein- als Auspendler gibt.

In lediglich einer Gemeinde im Bezirk war die Differenz der Auspendlerquote höher als in Tulln: In Würmla pendeln nun um 19,5 % mehr Einwohner aus. Dies kann sich Bürgermeister Johannes Diemt nicht erklären. „Vielleicht liegt es an der Zuwanderung“, mutmaßt der Ortschef. Damit könnte er recht haben, denn die Bevölkerung stieg von 1.164 (1991) auf 1.390 (2017) um 19,4 Prozent. Weiters meinte Diemt: „Würmla hat nur wenig Betriebe. Es hat kein Betrieb zugesperrt.“

Mangel an Betrieben fördert das Auspendeln

Jene Gemeinden mit den höchsten Auspendlerquoten haben wie Würmla das gleiche Problem: Mangel an Unternehmen. Muckendorf-Wipfing (86,9 % Auspendler), Zeiselmauer-Wolfpassing (85,5 %), Königstetten (84,3 %) und Tulbing (80,8 %). Diese hohe Quoten erklärt Muckendorfs Bürgermeister Hermann Grüssinger damit, dass „viele junge Zuzügler aus Wien kommen und dadurch ihren beruflichen Schwerpunkt noch in Wien haben.“

Königstettens Bürgermeister Roland Nagl und Tulbings Bürgermeister Thomas Buder sehen ihre Aufgabe darin, den öffentliche Verkehr zu stärken und zu fördern. Dazu gibt es zum Beispiel das Projekt „Digitalisierung Mobilität neu denken“ mit den Gemeinden Judenau, Königstetten, Tulln und Tulbing, um den Bahnhof Tullnerfeld öffentlich besser erreichen zu können. Hier verweist Thomas Buder auch auf „last-mile“. Dies bezeichnet jene Verkehrstrecke, die von den Knotenpunkten der öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Haus des Bürgers reicht.

Hinsichtlich der durchschnittlichen einfachen Wegdauer liegt Absdorf mit 41 Minuten an der Spitze, am Ende der Tabelle ist Langenrohr mit 29 Minuten zu finden.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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