Unesco- Beschluss: Donau-Limes muss warten. Ungarn blockiert in letzter Sekunde den Eintrag in die Weltkulturerbe-Liste.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 14. Juli 2019 (05:05)
Firmkranz
Enttäuschung in Tulln: Christoph Helfer und Christine Pauser sind entsetzt über die Absage.

Die Enttäuschung ist groß. Bayern, Österreich, Slowakei und Ungarn hatten sich viele Jahre lang um die Aufnahme bemüht - jetzt erteilte das UNESCO-Welterbekomitee im Rahmen seiner Tagung in Baku (Aserbaidschan) dem Donau-Limes eine Absage.

Dabei wurden im Vorfeld die Chancen, zum Weltkulturerbe erklärt zu werden, als äußerst realistisch beurteilt, schafften doch schon andere historische Grenzlinien – wie etwa der Hadrianswall – längst den Sprung auf die Liste. Von den vier betroffenen Staaten legten sich im allerletzten Moment die Ungarn quer. Diese verlangten plötzlich, kurzfristig einen nördlich von Budapest gelegenen Abschnitt aus der Nominierung zu streichen.

Gutscher
Enttäuschung in Zeiselmauer: Dieter Jauschowetz, Reinhard Niedl, Josef Meyer, Bürgermeister Walter Grosser, Konrad Schröder, Norbert Payr, Heinz Neubauer und Otto Braun.

„Eine Katastrophe!“, klagt Christine Pauser, die sich besonders für das von ihr initiierte Projekt einsetzte.

Sie erinnert sich an die Anfänge: „Alles das antike Rom betreffend wurde stets automatisch nur mit dem berühmten Carnuntum in Verbindung gebracht. Das hat mich gestört, weil wir hier auch was zu bieten haben. Und so habe ich begonnen, alle Stätten mit Zeugen römischer Vergangenheit in der Region zu vernetzen.“ Daraus sei folglich die Initiative zum Antrag entstanden.

Es sollte noch über ein Jahrzehnt dauern, ehe man sich auf einen gemeinsam verfassten, 2.300 (!) Seiten starken Antrag einigte. Das lange Tauziehen liegt darin begründet, dass an dem Projekt viele Kleingruppen beteiligt waren, die es zu koordinieren galt und deren Wünsche zu berücksichtigen waren.

„Einmalige Chance für die Stadt gewesen und hätte den Tourismus in der Region belebt.“

Für Bürgermeister Peter Eisenschenk und den Kulturbeauftragten Gemeinderat Peter Höckner wäre die Aufnahme ins Weltkulturerbe eine „einmalige Chance für die Stadt gewesen und hätte den Tourismus in der Region belebt.“

Auch der Direktor des Tullner Römermuseums, Christoph Helfer, ist enttäuscht. „Der Antrag muss nun überarbeitet werden, bevor er nächstes Jahr erneut eingereicht werden kann“, so der Historiker. Die Chancen stünden nach wie vor gut, denn bis jetzt sei immer wieder auf die Bedeutung dieser Nominierung auf internationaler Ebene hingewiesen worden.