Corona-Abstandsregeln: Ärger um rappelvollen Bus. Ärger bei Passagierin: Sicherheits-Regeln waren im Schienenersatzverkehr der Franz-Josefs-Bahn nichtig, Mitreisende vom ÖBB-Kundendienst ausgelacht? Schienersatzverkehr als Volksfest für Viren...

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:57)
FJB-Reisende Margit Maurer: „Alle sich möglicherweise im Umfeld befunden habenden Corona-Viren müssen gejubelt haben.“
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Bilder sagen mehr als Worte, und das tut auch jenes, das der NÖN aus einem heillos überfüllten ÖBB-Schienenersatzbus zugespielt wurde. Das Bild erzählt viel, aber nicht das komplette Fiasko, das sich laut Augenzeugen abgespielt haben soll.

Geduldfrage. Der für die Strecke Gmünd-Göpfritz angekündigte Ersatzverkehr per Autobus habe am 5. Juli noch tadellos funktioniert, sagt die Weitraerin Margit Maurer. Dann sei schwer verständlich über Lautsprecher die Info gekommen, dass die Fahrt nach Wien wegen eines Schadens in Tulln ende – wieder ein Bus genommen werden müsse. Bloß sei beim Busterminal keiner in Sicht gewesen.

Nach halbstündiger Wartezeit sei ein einziger Linienbus vorgefahren, der am Weg diverse Bushaltestellen bediente, statt normaler 25 Minuten für die Strecke mehr als eine Stunde benötigte – und vor allem den Andrang nicht bewältigen konnte.

Maurer hält das für hochgradig verantwortungslos: „Alle sich möglicherweise im Umfeld befunden habenden Corona-Viren müssen gejubelt haben – der Bus war rettungslos überfüllt, von Mindestabstand keine Rede.“ Etliche Reisende hätten, samt Koffern und Kinderwagen, stehen bleiben müssen. Als Draufgabe habe sich noch eine Frau ohne Schutzmaske in den überfüllten Bus „gequetscht“.

Ausgelacht? Eine Mitreisende sei am Telefon vom ÖBB-Kundendienst ausgelacht worden. In Klosterneuburg ging es für die Passagiere wieder ins Freie – wohin, das hätten sie, so Maurer, auf eigene Faust in Erfahrung bringen müssen.

Kühl und fast leer habe sich der Schnellbahn-Waggon präsentiert, prompt sei von Chris Lohner die Aufforderung durch den Lautsprecher gekommen, den Sicherheitsabstand einzuhalten, berichtet Maurer fassungslos. Was sie besonders stört: Der Schaden sei nach Auskunft einer anderen Reisenden am Vortag bekannt gewesen.

„Kurzfristigkeit“. ÖBB-Sprecher Daniel Pinka bedauert den Vorfall. Der Betrieb auf der Franz-Josefs-Bahn (FJB) habe erst in den frühen Morgenstunden wegen einer technischen Störung bei St. Andrä-Wördern teils eingestellt, im Abschnitt Weidling bis Tulln ein Ersatz organisiert werden müssen.

Wegen der „Kurzfristigkeit der Maßnahme“ sei es zu Wartezeiten und vollen Bussen gekommen: „Dafür wollen wir uns bei den Fahrgästen entschuldigen, bitten aber auch um Verständnis, dass es bei unvorhergesehenen Ereignissen nicht immer sofort möglich ist, den gewohnten Reisekomfort sicherzustellen.“ Man habe nachgebessert und das Problem binnen weniger Stunden gelöst.