Corona-Konzert sorgte für Zwiespalt. Fünf Minuten Musik pro Abend waren einem Nachbarn zu viel. Er drohte mit der Polizei. Andere verfassten Dankesschreiben, winkten aus dem Fenster und applaudierten.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 18. Mai 2020 (05:03)
„Manche Nachbarn fanden wieder zueinander, Andere kannte man zwar – es wurde im Vorbeifahren gegrüßt –aber ein persönlicher Kontakt wurde erst jetzt hergestellt“, bilanziert Thomas Wagner. Mit einem Musik-Gruß hat der Dietersdorfer jeden Abend die Nachbarschaft zusammengebracht. Zur Freude vieler Nachbarn. Von der täglichen Beschallung um 18 Uhr zeigten sich aber nicht alle Anrainer begeistert. Einer drohte mit der Polizei.
privat

Italien und österreichische Polizisten nahm sich Thomas Wagner aus Dietersdorf zum Vorbild. Er begann vor einiger Zeit täglich um 18 Uhr einen drei- bis fünfminütigen musikalischen Gruß in Form von zum Thema passenden Austropopsongs an seine Umgebung zu senden.

„Die Reaktionen waren für uns unglaublich. Viele Nachbarn winkten vom Fenster und applaudierten. Andere wiederum, die jahrelang keine Kontakte gepflegt hatten, sprachen plötzlich wieder miteinander“, erzählt Wagner, „alles unter dem Motto ,gemeinsam schaffen wir das‘“.

Walter Malanik (r.) trommelte Nachbarn zusammen, um Dankesworte für Thomas Wagner zu sammeln.
NOEN

Doch die positive Stimmung in schweren Zeiten wurde bald getrübt. Der Familie Wagner flatterte ein Schreiben ins Haus, in dem einer der Anrainer forderte, diese „unangebrachte Lärmbelästigung unverzüglich einzustellen“. Er zog es vor, anonym zu bleiben und drohte sogar mit dem Einschalten der Polizei.

Tags darauf hallte das altbekannte Lied „Ana hat immer des Bummerl“ durch den Äther. Und so erfuhr die neu entstandene fröhliche Schicksals-Gemeinschaft vom Sinn der getroffenen Musikauswahl und reagierte ihrerseits mit unzähligen Solidaritätsbekundungen. Ein Dankesschreiben wurde von rund 20 Familien unterzeichnet. Thomas Wagners Resümee: „Selbst wenn viele Personen unter den Auswirkungen der neuen Richtlinien leiden, bei uns hat es einen wirklich positiven Effekt herbeigeführt. Aber leider kann man es nicht allen Menschen recht machen.“