Erstellt am 11. August 2018, 03:29

von Günter Rapp

Verwirrung um Orts-Umfahrung. Geplante Entlastungsstraße für Feuersbrunn und Wagram sehen Felser Nachbarn als Startschuss für Straße über den Wagram.

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Dass sich die Bevölkerung der Grafenwörther Katastralgemeinden Feuersbrunn und Wagram eine Verkehrsentlastung wünscht, ist nicht neu. Dass es aber plötzlich laut ÖVP-Gemeindeinformation konkrete Planungen für eine Ortsumfahrung an der Grenze zwischen Feuersbrunn und Fels gibt, ist zumindest für die betroffene Nachbargemeinde neu.

Unruhe in der Bevölkerung

Grafenwörths Bürgermeister Alfred Riedl und sein Vize Reinhard Polsterer stellen in dem VP-Schreiben bereits eine mögliche Trasse vor. Hier heißt es, dass für die Experten der NÖ Landesregierung eine Straße an der Gemeindegrenze zwischen Feuersbrunn und Fels die beste Variante sei.

Das verwundert zumindest die Felser Gemeindeführung, die von diesem Vorhaben jetzt überrascht wurde. Bürgermeister Christian Bauer hat gemeinsam mit seinem Vizebürgermeister Ludwig Güntschl, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses Gerald Höllerer sowie den Fraktionsvorsitzenden Hannes Zimmermann (alle ÖVP) und Christine Lukaschek (SPÖ) über diese „Überraschungsaktion“ der Nachbargemeinde Grafenwörth informiert. „Für uns liegt jedenfalls die Vermutung nahe, dass es sich bei dieser Ortsumfahrung für Feuersbrunn und Wagram doch um das Teilstück einer künftigen und überregionalen Umfahrungsstraße handeln könnte“, so der Felser Vizebürgermeister Ludwig Güntschl.

Da es auch im nahen Hohenwarth Bestrebungen für eine Ortsumfahrung und Forderungen nach einer hochrangigen Verkehrsverbindung zwischen Hollabrunn und der Donaubrücke bei Grafenwörth gibt, wären nach Ansicht Güntschls letztlich die Felser Ortsgemeinden Stettenhof und Gösing das noch fehlende Nadelöhr. „Jeder will mit seinem Auto bequem und flott fahren, aber jeder sagt: ,Nicht bei mir’“, so der Felser Vize schmunzelnd.

Gemeinde Fels startet Unterschiftenaktion

In Fels fürchtet man, dass diese geplante Umfahrung von Feuersbrunn bereits der erste Schritt für eine mögliche zukünftige Umfahrung durch beziehungsweise in unmittelbarer Nähe von Gösing und Stettenhof sein könnte, und dort der Straßenverkehr stark zunehmen würde. Von den Felser Gemeindevertretern der ÖVP und SPÖ wurde deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet.

Die Gemeindevertreter fordern nun von Landesseite, dass vor Planung einer örtlichen Umfahrungsstraße ein überregionales Verkehrskonzept vorliegen muss. Das müsse außerdem mit den direkt davon betroffenen Gemeinden abgestimmt sein. Wörtlich heißt es: „Die betroffenen Gemeinden dürfen nicht vor bereits entschiedene Tatsachen gestellt und erst über Postwürfe in den Nachbargemeinden informiert werden.“

Wie die Felser SPÖ-Vorsitzende Christine Lukaschek gegenüber der NÖN betont, habe es zwar schon vor vier Wochen gewisse Gerüchte über eine solche Straßenplanung gegeben, aber nichts Konkretes. „Eine solche Straße ist ein weitreichender Eingriff in die Landschaft des Wagram. Wo sind da die Initiatoren von ,Rettet den Wagram‘?“ Eine Straße über den Wagram, näher an Absdorf wäre nach Meinung von Christine Luakschek viel sinnvoller. „Die Forderung nach Straßenplanungen unter Einbeziehung aller betroffenen Gemeinden unterstützen wir gemeinsam mit der ÖVP Fels-Gösing“, so Lukaschek.

Grundbesitzer werden bereits kontaktiert

Die Sache ist offenbar sehr konkret, denn Bürgermeister Alfred Riedl schreibt in seiner ÖVP-Aussendung: „Nach dem Beschluss zur Trassenführung werden wir in den nächsten Wochen mit den Grundbesitzern Kontakt aufnehmen, um Vorverträge abzuschließen. Danach werden wir mit der NÖ Landesregierung eine Änderung des Flächenwidmungsplanes anstreben und Gespräche zur Finanzierung führen.“

NÖ Straßendienst plant aber keine Umfahrung

In einer Presseaussendung der Niederösterreichsichen Landeskorrespondenz heißt es allen Gerüchten zum Trotz: „Zur jüngsten Diskussion, vor allem in der Marktgemeinde Grafenwörth, stellt der NÖ Straßendienst klar, dass keine Landesstraßen-Umfahrung für Feuersbrunn und Wagram am Wagram geplant wird. Auf Initiative und Ersuchen der Marktgemeinde Grafenwörth hat der NÖ Straßendienst die Basis für die technische Umsetzbarkeit eines Lückenschlusses von zwei Gemeindestraßen in den Katastralgemeinden Feuersbrunn, Wagram und Grafenwörth geprüft. Diese Überlegungen sind nicht die Grundlage einer Landesstraßen-Umfahrung. Sie dienen ausschließlich einer möglichen Berücksichtigung einer Gemeindestraße in der Raumordnung durch die Markgemeinde Grafenwörth.“

Das bestätigt auch Grafenwörths Bürgermeister Alfred Riedl im Gespräch mit der NÖN. Es habe keine Veranlassung gegeben, mit der Nachbargemeinde Fels wegen der Straßenplanung an der Grenze zwischen Fels und Grafenwörth Kontakt aufzunehmen. „Es handelt sich um eine reine Gemeindestraße, die zur Gänze auf Grafenwörther Gemeindegebiet liegen und vor allem der Entlastung der Bevölkerung von Feuersbrunn und Wagram dienen soll“, so Alfred Riedl.