Gemeinden haben wohl keinen Platz. Die NÖN hörte sich bei den einzelnen Ortschaften im Bezirk Tulln um, ob sie bereit wären Flüchtlinge aufzunehmen.

Von Martin Gruber-Dorninger und Birgit Kindler. Erstellt am 04. November 2014 (06:01)
Verzweiflung steht an der Tagesordnung vieler Menschen, die vor den Toren Europas stehen und um Aufnahme flehen.
NOEN, Shutterstock/hikrcn

Im gesamten Bezirk Tulln gibt es 21 Gemeinden inklusive der Bezirkshauptstadt. Der Gemeindebund beauftragte die einzelnen Orte und Städte in Niederösterreich, eventuell freie Plätze für Flüchtlinge auszukundschaften und anzugeben.

Die NÖN fragte im Bezirk nach, wie es mit der Bereitschaft der einzelnen Gemeinden bestellt ist. Wo gibt es Platz, wer ist bereit?

Bei fast allen Gemeinden ist eben dieser Platz Mangelware, über die Aufnahme von Flüchtlingen wird dennoch überall in den Gemeinderäten diskutiert.

In Tulln stellten die Grünen in der letzten Sitzung einen Antrag zur Aufnahme von 50 Flüchtlingen. „Der Antrag wurde in den zuständigen Ausschuss verwiesen, bislang gab es jedoch noch keine Sitzung“, berichtet Bürgermeister Peter Eisenschenk. Er werde dazu aber demnächst Gespräche mit den Tullner Pfarren führen.

In Greifenstein finden derzeit schon einige Flüchtlinge im ÖJAB-Heim Unterschlupf, vonseiten der Gemeinde St. Andrä-Wördern, ist laut Bürgermeister Alfred Stachelberger, aber keine weitere Aufnahme geplant.

In privaten Quartieren sind Flüchtlinge in Königstetten untergebracht. „Die Gemeinde selbst hat allerdings leider keine Möglichkeit Flüchtlinge aufzunehmen“, berichtet Bürgermeister Roland Nagl.

Sieghartskirchen wird vier aufnehmen

In Sieghartskirchen hat der Gemeinderat vor wenigen Wochen die Aufnahme von vier Flüchtlingen beschlossen. „Am besten eine Familie. Eine Sieghartskirchener Familie hat uns dafür ein Haus zur Verfügung gestellt“, erklärt Bürgermeisterin Josefa Geiger.

In Zwentendorf zeigt man sich der Problematik ebenfalls aufgeschlossen. „Wenn wir ein Quartier finden, könnten wir möglicherweise Flüchtlinge aufnehmen, ein bis zwei Familien kein Problem wären“, so Bürgermeister Hermann Kühtreiber.

In den übrigen Gemeinden wird das Thema zwar in den Gemeinderatssitzungen behandelt werden, die Ortschefs selbst zeigen sich aber eher skeptisch. Am Platzangebot mangle es vor allem, berichten die Bürgermeister.

In Sitzenberg-Reidling will Bürgermeister Franz Redl zwar nicht als Gemeinde Platz für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, aber er bietet privaten Familien an, diese zu unterstützen, sollten Flüchtlinge aufgenommen werden. „Wir können Inventar zur Verfügung stellen. Sitzenberg-Reidling wird sich dem Thema sicher nicht verschließen“, so Redl.
 

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ZITIERT

„Wir haben keinen Platz für Flüchtlinge in der Gemeinde, private Personen lassen sich leider nicht dafür gewinnen, Flüchtlinge aufzunehmen.“
Anton Priesching, Bürgermeister von Würmla

„Wir haben derzeit keine dafür geeigneten Wohnungen. Die Flüchtlinge müssen ja auch verköstigt werden und da fehlt uns die nötige Gastronomie.“
Eduard Eckerl, Bürgermeister von Tulbing

„Wir haben nichts dagegen, aber derzeit keine passenden Unterkünfte. Eventuell wäre der Pfarrhof geeignet.“
Rudolf Friewald, Bürgermeister von Michelhausen

„Vorläufig haben wir nicht die Absicht. Wir werden aber im Gemeinderat darüber diskutieren und dann mal schauen.“
Leopold Figl, Bürgermeister von Langenrohr

„Wenn es nicht unbedingt nötig ist, werden wir keine Flüchtlinge aufnehmen.“
Johann Benedikt, Bürgermeister von Kirchberg am Wagram

„Wenn die Möglichkeit zur Aufnahme besteht, werden wir uns etwas überlegen.“
Alois Zetsch, Bürgermeister von Großweikersdorf