Kein (Sitz-)Platz für Babyelefanten. Über Schulbusse in der Coronazeit.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 13. Mai 2020 (03:44)

Abstand halten ist das oberste Prinzip. Persönlicher Kontakt zu haushaltsfremden Mitmenschen ist nur noch mit dem gedanklichen Maßband vorstellbar – daran lässt sich nicht rütteln. Und dennoch ist die Corona-Grundregel nicht allgemein gültig. Etwa im Bus. Fahrgäste sollen die Distanz zueinander zwar wahren. Zwischen den Zeilen gelesen: Wenn’s nicht geht, dann geht’s halt nicht.

Der geforderte Abstand kann in Ausnahmefällen nämlich unterschritten werden. Schüler, die sonst an der Bushaltestelle zurückbleiben müssten und nicht in die Schule kommen, sind wohl eine dieser Ausnahmen. Schulbusse sind schon im Normalzustand voll gepfercht. Wenn die Schüler-Gruppen an abwechselnden Tagen fahren, ist der Bus vielleicht nicht mehr gepfercht, aber immer noch voll. Platz für einen – oder gar mehrere – Babyelefanten wird kaum bleiben. Stattdessen geht der tägliche Schulweg mit psychischen Belastungen für Kinder einher: der Angst, sich oder Oma und Opa anzustecken, und den Schuldgefühlen, die Abstandsregel gebrochen zu haben.