Bezirk Tulln: Akzeptanz bei Gästen ist groß. Die Regierung kündigte strengere Maßnahmen an. Wirte sprechen von einem großen Besucherstrom, trotz 3G-Nachweis.

Von Helga Urbanitsch. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:00)
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Birgit Rabacher führt zurzeit einen Selbstbedienungsbetrieb im Alpenvereinshaus.
Urbanitsch, Urbanitsch

„Schärfere Kontrollen sind richtig“, ist sich Gastronom Kurt Hoffmann von s‘Pfandl am Tullner Hauptplatz sicher. „Die Gäste selber wollen ein Gefühl der Sicherheit haben“, so Hoffmann, der noch hinzufügt, dass das „Sheriff spielen“ für das Personals oft mühsam sei, die Gäste sollten gleich von sich aus ihren 3G-Nachweis vorzeigen, „das würde alles vereinfachen.“

Kurt Hoffmann ist wegen fehlenden Personals zurzeit gezwungen Betriebsurlaub zu machen. „Das Problem ist auch, dass keiner mehr den Beruf erlernen will, da wird ein Riesenloch kommen“, befürchtet Hoffmann. Ab 5. August ist sein s‘Pfandl wieder geöffnet, da kommt Verstärkung für die Küche.

„Wenn man sich gegen alles wehrt, muss man damit rechnen, dass man wieder zu Hause sitzt.“ Susanne Mertl

Die Wirte freuen sich über die steigenden Besucherzahlen, denn „die Menschen wollen wieder raus und mit anderen Kontakt haben“, weiß Birgit Rabacher, die aus der Personalmangel-Not eine Tugend machte und das Alpenvereinshaus jetzt als Selbstbedienungsladen führt. Allerdings mit viel Charme und persönlichem Touch. „Die Selbstbedienung hat sich bewährt, die Besucherfrequenz stimmt auch, allerdings hat sich alles nach hinten verlagert.“

Oft sitzen die Gäste bis spät in die Nacht, „um 2 Uhr früh ist allerdings Sperrstunde“, so die leidenschaftliche Wirtin.

„Es tut mir im Herzen leid, dass ich aus Personalmangel vormittags nicht aufsperren kann“, erzählt Birgit Rabacher. Bei ihr arbeiten im Moment geringfügig beschäftigte Mitarbeiter, Pensionisten und Berufstätige, auch zwei Gymnasiastinnen machen im Alpenvereinshaus Ferialpraxis. Demnächst kommt eine ausländische Studentin mit Aufenthaltsgenehmigung zur Unterstützung.

Gastronomie wird täglich überwacht

„Leider fehlen die Touristen, es gibt auch wesentlich weniger Radfahrer als vor der Krise“, stelle Rabacher fest.

Bei der Strafbehörde der Bezirkshauptmannschaft Tulln sind noch keine Anzeigen wegen Nichtachtung der Covid-Verordnung eingegangen. „Das ist noch zu früh, kann sich aber in zwei bis drei Wochen ändern“, erklärt Ursula Kamlander, Leiterin der Strafabteilung. Anzeige gibt es übrigens nur dann, wenn das Organmandat verweigert wird.

Auch von der Tullner Polizeistelle hört man Positives. Zur Zeit kommt es zu keinen Anzeigeerstattungen oder zur Ausstellung von Organmandanten.

„Die Akzeptanz bei der Bevölkerung ist sehr groß, es treten keine Probleme auf. Die Gastronomie wird von uns täglich im Rahmen des Streifendienstes überwacht“, so Bezirksinspektor Bernhard Schilcher.

Dass das Verlangen nach dem 3G-Nachweis oft „zum Kräftemessen mit dem Kellner“ wird, weiß Susanne Mertl vom „Winzig Extra Large“. „Manche Gäste nehmen das persönlich und sind verärgert, wäre schön, wenn der Nachweis unaufgefordert hergezeigt werden würde“, fügt sie hinzu. Mertl beobachtet auch, dass Jugendliche eher Verständnis für die Maßnahmen zeigen als die ältere Generation.

Aber, „wenn man sich gegen alles wehrt, muss man damit rechnen, dass man wieder zu Hause sitzt“, so die Wirtin.

„Viele unserer Gäste schätzen unsere korrekte Kontrolle der 3G Regel sehr und fühlen sich dadurch auch sicherer.“

Die angeündigten verstärkten Kontrollen bereiten Konditor Sebastian Köstlbauer keine Sorgen: „Wir halten uns an die Regeln, egal ob kontrolliert wird oder nicht. Dieses Gefühl der Sicherheit schätzen die Gäste“, weiß Köstlbauer. Auch mit dem Personal ist er im Moment „gut aufgestellt“.

Das bestätigt auch Josef Floh: „Viele unserer Gäste schätzen unsere korrekte Kontrolle der 3G Regel sehr und fühlen sich dadurch auch sicherer.“ Wie bereits auch im Vorjahr stärken die nichtvorhandenen zahlreichen Feste die Gastronomie.

Wie eine Veranstaltung sicher, problemlos und unter Einhaltung aller Regeln ablaufen kann, bewies zum Beispiel das „Vorzeigeprojekt“ der Kirtag in Königstetten. An beiden Eingängen wurde kontrolliert, bevor man ein blaues Bändchen als „Eintrittszertifikat“ erhielt. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, sich Vorort testen zu lassen.

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