Häusliche Gewalt im Bezirk Tulln steigt. Anzahl an Betretungsverboten verdoppelt. Mehr Internetkriminalität, Zahl der Wohnhaus-Einbrüche gesunken.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:49)
Ziehen Bilanz der Kriminalität im Bezirk: Bezirkshauptmann Andreas Riemer, Bezirkspolizeikommandantin Sonja Fiegl und Chefinspektor Josef Gurschl.
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3.925 Straftaten zählt die Polizei im Jahr 2019 – die Zahlen sind auf das Niveau von vor zehn Jahren gesunken. Ein langfristiger Rückgang wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass seitdem Klosterneuburg in den Bezirk eingegliedert wurde. „Jetzt ist Klosterneuburg dabei, und wir haben annähernd die gleichen Zahlen. Das heißt, in Summe haben wir viel weniger angezeigte Delikte als 2009“, bilanziert Chefinspektor Josef Gurschl.

Einen Trend nach oben gibt es – im Vergleich 2018 auf 2019 – bei Internetkriminalität oder Sachbeschädigung. Einen traurigen Höhepunkt erlebt häusliche Gewalt: 115 Betretungsverbote im Vorjahr, fast eine Verdoppelung zu 2018.

Zurückzuführen ist das unter anderem auf die Frauenmorde, einer davon auf einem Supermarkt-Parkplatz in Tulln. Bezirkskommandantin Sonja Fiegl erklärt den Zusammenhang: „Die Hemmschwelle, die Polizei anzurufen, ist gesunken. Es gibt mehr Sensibilisierung, bei familiärer Gewalt nicht wegzuschauen.“

Häusliche Gewalt kommt schleichend und geht immer noch mit Bagatellisierung und Schamgefühl einher. Bezirkshauptmann Andreas Riemer hat Erfahrung mit der Selbsttäuschung der Opfer: „Es ist oft ein Nicht-Wahrhabenwollen. Das liest man in der Zeitung, aber ,es passiert doch nicht mir!‘“ Die Bezirkskommandantin appelliert an Betroffene: „Es gibt immer eine Lösung für den Weg aus der Gewalt.“

Weniger Einbrüche in Wohnhäuser

Während die Zahlen von häuslicher Gewalt steigen, sinkt die Eigentumskriminalität durch die Sensibilisierung. 2019 wurden um ein Drittel weniger Einbrüche in Wohnhäuser angezeigt.

„Die Initiative, den Bezirk für Dämmerungseinbrecher unattraktiv zu machen, ist offenbar gelungen. Danke an die Polizei“, lobt Bezirkshauptmann Andreas Riemer. Dank gilt auch der Nachbarschaft, die Verdächtiges bei der Polizei meldet – „die Bevölkerung ist sensibler geworden und passt viel mehr auf“, so Gurschl.

Fiegl: „Ich bedanke mich bei Mitarbeitern und Bevölkerung für die gute Kooperation. Das Um und Auf für eine friedliche Gesellschaft ist das Miteinander. Und den Erfolg, den wir im Bereich Minderung der Kriminalität haben, ist ein Erfolg der Gemeinschaft.“ Der Bezirk Tulln mit 102.000 Einwohnern liegt im niederösterreich- und österreichweiten Kriminalitäts-Trend. „Mit der allgemeinen Entwicklung bin ich zufrieden. Im Bereich der familiären Gewalt kann man aber nicht zufrieden sein“, schließt die Bezirkskommandantin ab.