Bezirk Tulln: Neue Freiheiten in der Gastronomie. Gemütliches Schmausen zu Hause in der Jogginghose oder Speisen im Haubenlokal - derzeit ist alles möglich.

Von Doris Firmkranz, Lisa-Maria Hasenhindl, Christa Wallak und Helga Urbanitsch. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:26)
„Men in Black“ Lars Nestle und Christian Wöber vom „Das Wolf“ konnten bereits eine illustre Gästeschar begrüßen, darunter auch Wolfgang Praskac. Foto: Urbanitsch
Urbanitsch

Die Zeit der Totalsperre ließen die meisten Wirte nicht tatenlos verstreichen. Einige hielten sich mit Essenszustellungen bzw. -ausgaben über Wasser, andere nutzten die Zeit um länger geplante Vorhaben durchzuführen oder Veränderungen vorzunehmen.

Wie etwa der Gasthof „Zum Liederfürst“ in Atzenbrugg, der als Familienbetrieb von Eva und Hermann Kögl geführt wird. Die Seniorchefs Fini und Hermann kümmern sich im Hotelbetrieb um Rezeption und Frühstück. Die Jung-Eltern haben für die Wiedereröffnung die Küche sowie die Stube und den Gastgarten wieder auf Vordermann gebracht.

Die Zukunft bleibt für viele unsicher

„Man weiß nicht, was auf uns zukommen wird“, so Hermann Kögl gegenüber der NÖN. Mittags- sowie Abendgeschäft seien Haupteinnahmequellen.
„Einige wollen wieder bei uns essen, doch viele möchten den positiven Effekt des Abholservices beibehalten um zu Hause in Jogginghose ihre Mahlzeiten einzunehmen.“

Die Familie Kögl kennt die meisten Gäste persönlich und setzt sich gerne zum Plaudern an deren Tisch. „Das werden wir in Zeiten wie diesen nicht mehr machen“, bedauert Kögl. „Es ist auch noch nicht entschieden, ob wir am Abend bewirten werden.“

Gerhard Becher vom Restaurant Donauhof in Zwentendorf betrachtet das erste Aufsperrwochenende mit gemischten Gefühlen. „Der Besuch am Freitag war unter den Erwartungen“, so sein Resumee. Mit dem Sonnenschein am Sonntag kamen dann auch mehr Gäste.

Von Gästen am Stammtisch erfährt er, dass die Bevölkerung verunsichert ist, keiner weiß, wie er mit der Situation umgehen soll. Der Donauhof wolle jedenfalls bis auf Weiteres sein Lieferservice mit einer eigenen Speisenkarte beibehalten. Das werde von Zwentendorf, Atzenbrugg, Michelhausen bis Langenrohr gut angenommen.

„Die neuen Abstandsvorschriften kosten uns 20 Sitzplätze.“Andreas Maurer, Gastwirt aus Großweikersdorf

Plexiglasscheiben trennen nun die Tische in der Gaststube vom „Goldenen Adler“ in Großweikersdorf. „20 Sitzplätze kosten uns die neuen Abstandsvorschriften“, erzählt Wirt Andreas Maurer. Aber das spielt keine große Rolle, bei Bedarf stehen mehrere Stüberl, ein Festsaal und der Gastgarten zur Verfügung. Auch alle anderen nun in der Gastronomie geltenden Schutzmaßnahmen erfüllt man hier ganz unaufgeregt.

Am ersten Wochenende des Neustarts haben bereits viele Stammgäste dem Gasthaus einen Besuch abgestattet - sehr zur Freude des Wirts.

„Spannend wird, ob auch die Ausflügler, die einen großen Teil des Wochenendgeschäfts ausmachen, heuer wieder kommen“, ist Maurer unsicher. Es könne aber nur besser werden, meint er im Rückblick auf die Coronasperre, durch die ihm auch drei Hochzeiten und zwei Geburtstagsfeiern ausgefallen sind.

Auch auf gehobene kulinarische Genüsse muss man als Feinschmecker nicht länger verzichten.

Kochkünstler können wieder kreativ sein

Die neuen Pächter von „Das Wolf“ in Langenlebarn Christian Wöber und Lars Nestle freuen „endlich wieder kreativ sein“ zu können und die Mahlzeiten – anstatt sie wie beim Lieferservice einfach nur in Karton zu verpacken – mit viel Phantasie auf den Tellern zu platzieren.

Im großen einladenden Gastgarten gibt es keine Probleme die Mindestabstände zwischen den Tischen einzuhalten. „Wir sind ausgebucht, die Gäste kommen von überall und freuen sich, endlich wieder essen gehen zu können“, so die Gastronomen.

Abwartend gibt sich neben vielen anderen Norbert Payr vom Restaurant „Zum lustigen Bauen“ in Zeiselmauer. Er vermutet, der Boom wie ihn Baumärkten erlebten würde ihm versagt bleiben. Es besteht weiterhin das Abhol- und Lieferservice, wieder öffnen möchte er jedoch erst am 29. Mai. „Es ist ja möglich, dass sich bis dahin Verordnungen ändern oder Bestimmungen vereinfachen.“

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