Tullner Schulen: Ballett ohne Brutalität. Die NÖN sprach mit Caroline Jablonski und Margarita Breznik über ihre Berufung.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 17. April 2019 (04:11)
privat
Caroline Jablonski beim Unterricht: „Die Welt des Balletts kann eine unglaublich schöne sein.“

Unter dem Titel „Die Staatsopern-Tragödie“ berichtete die Wochenzeitung „Der Falter“ über unerträgliche Zustände an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper. Schüler und Lehrer sprachen darin über Brutalität, Demütigungen, Magersucht und sexuelle Übergriffe.

privat
Margarita Breznik motiviert ihre Schüler: „Sie sehen, was möglich ist und werden angestachelt, das selbst auch zu schaffen.“

Zustände die in den beiden Ballettschulen der Bezirkshauptstadt unvorstellbar wären. Die NÖN sprach mit deren Leiterinnen, Caroline Jablonski vom gleichnamigen Ballettstudio und Margarita Breznik von der Rosen-Ballettschule. Beide sind von Kindesbeinen an mit der hohen Tanzkunst verbunden, beide waren erfolgreich an großen Bühnen tätig – Jablonski etwa in Frankfurt/Main und Basel, Breznik im Wiener Staatsopernballett und im Ballett der Bühne Baden. Beide geben ihr Können und Wissen heute mit Begeisterung an den Nachwuchs weiter.

„Keine Frage, es sind krasse Situationen, die da geschildert werden. Missstände dieser Art gehören abgestellt“, betont Jablonski. Andererseits befürchtet sie, dass sich jetzt eine „Die Armen, die müssen das ja alles machen … die dürfen nichts essen“-Meinung breitmache. „Dabei muss die Welt des Tanzens und des Balletts keine selbstzerstörerische sein, sie kann auch eine unglaublich schöne, zufriedenstellende, ja stärkende sein“, unterstreicht Jablonski.

Heikles Thema Gewicht, Begleitung ist wichtig

Das Gewicht sei natürlich ein sehr heikles Thema, gerade bei Kindern und vor allem, wenn sie sich der Pubertät nähern. „Aber wie im Spitzensport ist hier Ernährungsberatung und medizinische Begleitung ganz wichtig“, sagt die Ballettlehrerin.

Im persönlichen Umgang setzt sie auf Respekt und Ehrlichkeit. „Falscher Ehrgeiz von Eltern, Kindern oder Lehrern darf nie im Vordergrund stehen. Man muss auf die verschiedenen Lebenssituationen eingehen und darf den Kindern nichts überstülpen“, so Jablonski. Dazu gehört auch, an einem bestimmten Punkt ehrlich zu sagen, wenn jemand nicht für das Ballett geeignet ist. Schließlich sei Tanzen auch in vielen anderen Ausprägungen möglich.

Leistung und Disziplin im positiven Sinn

Margarita Breznik, gebürtige Russin, ging selbst durch eine sehr strenge Schule: „Härte und Disziplin gehört einfach dazu. Meine Lehrerin hatte einen Stock, aber sie hat uns damit nicht geschlagen.“ Später, an der Wiener Staatsopernschule machte sie nur gute Erfahrungen: „Meine dortige Lehrerin war sehr nett.“

Auch in ihrer Rosen-Ballettschule legt Breznik Wert auf Leistung und Disziplin: „Aber ausschließlich im positiven Sinn. Ich zeige den Kindern etwas vor oder sie sehen bei den Größeren, was möglich ist und sie werden angestachelt, das selbst auch zu schaffen“, erklärt die Ballettlehrerin. Auch sie betont: „Das Dreieck Kind-Eltern-Lehrer muss passen: Was wollen die Eltern, was will das Kind und was ist möglich.“

Während anfangs noch ein Training pro Woche ausreicht, wären in der Leistungsklasse schon mindestens zwei bis drei Mal erforderlich. „Das richtet sich schon in Richtung Staatsopernballett. Nicht jeder kann Ballett wirklich lernen und nicht jeder kommt in die Leistungsklasse“, betont Breznik. Ein sensibles Thema sei das „auf die Spitze stellen“, das grundsätzlich um das 12. Lebensjahr erfolgt. Manche Kinder seien aber schon früher so weit. „So etwas muss der Lehrer erkennen und in Absprache mit Eltern und Kindern abklären“, erklärt Breznik, „Vertrauen ist hier unglaublich wichtig.“ Schließlich müsse der Ausbildende die Kinder auch angreifen, um Hand-, Fuß- und Körperhaltungen einzurichten: „Diese Dinge kann man nicht nur erklären.“

Wunderschöne Aufführungen, wie jene der Jablonski-Schüler beim Neujahrskonzert des Jugendsymphonieorchesters, und Erfolge wie der jüngste Preisregen für die Breznik-Schüler beim Austrian Dance Cup, zeigen auf, was die beiden Tullner Ballettinstitutionen zu leisten imstande sind.