Betrüger rief als Polizist an

Ein Anrufer aus dem Bezirk Tulln gab sich als Polizist aus und lockte zwei Senioren tausende Euro heraus. Der Geldabholer muss ins Gefängnis.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 04:48
Anruf Neffentrick Symbolbild
Foto: Symbolbild

Im Juli bekommt ein Pensionist aus dem Bezirk Tulln einen Anruf. Seine Tochter hatte einen Autounfall. Die Stimme am Telefon spricht von einem Totalschaden beider Autos, die Versicherung zahlt nicht. Um die Tochter vor der Festnahme zu bewahren, müsse der Mann eine Kaution von 72.000 Euro zahlen, so der Anrufer, der sich in perfektem Deutsch als Polizist ausgibt. Auflegen darf er nicht, sonst ist alles vorbei, sagt er dem Pensionisten:

Und der Mann fährt zu seiner Bank und hebt 60.000 Euro ab (denn den Rest hat er in bar zuhause). Dem Bankangestellten sagt er, er will ein Haus kaufen. Denn die Stimme am Telefon hat gesagt, er müsse extra Gebühren an die Bank zahlen, wenn diese wüsste, dass es um eine Kaution geht. Er hat das Geld, sagt er dem Anrufer wenig später, dieser verlangt plötzlich noch einmal so viel. So viel Geld kann ihm die Bank an diesem Tag aber nicht geben, so der Pensionist. Da steht auch schon ein Geldkurier des Anrufers vor der Tür.

Der Pensionist gibt ihm alles, erst dann legt der Anrufer auf. Der Kurier ist weg und damit auch das Geld des Pensionisten. Nur zehn Tage vorher war eine Frau aus Amstetten Opfer desselben Anrufers geworden. Sie hatte dem Geldkurier 45.000 Euro und einige Goldmünzen gegeben. Doch der Pensionist aus dem Bezirk Tulln hat Glück. Der Kurier wird von der Polizei geschnappt, als er die 76.000 Euro des Pensionisten noch bei sich hat. Der Anrufer konnte allerdings nicht ausgeforscht werden. Der Kurier hingegen sitzt jetzt vor dem Richter und ist nicht geständig.

Angeklagter will von nichts gewusst haben

Dass es sich um einen Betrug handelte, davon habe er nichts gewusst, sagt der Mann. Dass er das Geld von dem Mann aus dem Bezirk Tulln geholt habe, gibt er zu, er bestreitet aber, bei der Frau in Amstetten gewesen zu sein (und das obwohl ihn die Frau vor Gericht „zu 90 Prozent“ wiedererkennt). Er habe einfach die Anweisung bekommen, Geld abzuholen und sei am nächsten Tag mit dem Bus von Polen nach Wien und dann im Taxi in den Bezirk Tulln gefahren.

Seine Frau sei schwer krank und er habe einfach seine Schulden begleichen wollen. Das Angebot habe gelautet: Hole Geld für mich ab und du bist schuldenfrei. Den Mann, der dahintersteckt, einen gewissen Adriano, kenne er nicht. Der Richter glaubt ihm kein Wort, denn wieso sollte der Anrufer einem ihm völlig Unbekannten so viel Geld anvertrauen. Dass der Angeklagte dabei nicht an eine illegale Aktion gedacht habe, findet der Richter unglaubwürdig. „Er lügt uns an“, sagt der Staatsanwalt. „Der Angeklagte war nicht Kopf der Sache, aber er war dafür verantwortlich, dass der Betrug gelang. Wir haben tagtäglich mit Kautionsbetrug zu tun, die meisten Fälle können wir nicht aufklären.“ Opfer von Kautionsbetrug sind meist ältere Menschen, so der Staatsanwalt.

Die Strafdrohung sind bis zu drei Jahre Haft. Zu wenig für derartige Vergehen sind sich Staatsanwalt und Richter einig. Das Urteil: Schuldig in allen Punkten wegen schweren Betruges. 21 Monate Haft, davon werden 14 Monate bedingt nachgesehen. Das Urteil ist rechtskräftig.