Ex-Pfleger bringt das PBZ in Misskredit. Ehemaliger Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe. Heimleitung ist entsetzt und weist Anschuldigungen vehement zurück.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 12. November 2018 (03:41)
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Externe Kontrollorgane überzeugen sich regelmäßig von der professionellen Arbeit, die hinter den Mauern desPflege- und Betreuungszentrums geleistet wird.

Entsetzen macht sich breit im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln (PBZ, ehemals Rosenheim), nachdem ein Exmitarbeiter sich dort über „massive Missstände, Gewalt und sexuelle Übergriffe“ öffentlich äußerte. Der Mann hatte angebliche Vorkommnisse penibel aufgelistet und mit Namensnennungen an Behörden, Polizei und an Medien verschickt sowie im Internet gepostet, mit dem Hinweis, die Heimleitung würde alles vertuschen.

Probleme mit Kollegen nahmen überhand

Michael Sallfellner wurde im August 2017 als Pflegeassistent aufgenommen. Anfangs gab es keine Probleme. Unternehmensinterne Bewertungsprofile stellten dem 29-Jährigen sogar das beste Zeugnis aus. Laut PBZ-Leiterin Shajen Prohaska sei die Situation jedoch bald darauf „gekippt“. Mögliche Ursache: zwischenmenschliche Probleme.

Diesbezüglich keine gute Erinnerung an Michael Sallfellner hat auch die Leiterin der Senioren-Residenz Amicalis im steirischen Unterpremstätten, Elfriede Wölkart: „Er hätte 2015 bei uns ein Probemonat machen sollen, aber das hat er nicht überlebt. Es war zu Differenzen mit anderen Mitarbeitern gekommen, er hat einfach nicht ins Team gepasst.“

Heute steht Sallfellner ohne Job und, eigenen Angaben zufolge, ohne Dach über dem Kopf da. Kurz nachdem er mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen war, sei er gekündigt worden und hätte deshalb auch seine Dienstwohnung verloren.

Dem setzt Prohaska entgegen: „Schon lange vorher, als wir bemerkten, eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm ist nicht mehr möglich, haben wir ihm zu einem Arbeitsplatzwechsel geraten.“ Überdies dürfe er bis Anfang nächsten Jahres in der Dienstwohnung bleiben.

Vorwürfe über angebliche Missstände weist Direktorin Prohaska vehement von sich. Diese seien alle umgehend geprüft, dokumentiert und für unwahr befunden worden. Regelmäßige externe Kontrollen vor Ort belegten jederzeit, dass im Haus professionelle Arbeit geleistet wird. Prohaska: „Natürlich gibt es laufend Entwicklungsbedarf innerhalb der professionellen Gesundheits- und Krankenpflege, deshalb nehmen wir etwaige Anregungen von Mitarbeitern und auch Angehörigen sehr ernst.“

„Seine Handlungsweise ist ungeheuerlich“

Die Obfrau des Besuchsdienstes, Stadträtin Elfriede Pfeiffer, bezeichnet die Handlungsweise des geschassten Pflegers als „ungeheuerlich“. Besucherteams hielten sich tagtäglich stundenlang im Hause auf. Nie seien ihr derart schmutzige Vorfälle, wie sie Sallfellner beschreibt, zu Ohren gekommen. „Wer sich diese genau anschaut, wird zu dem Schluss kommen, dass dieser Mann krank ist“, so Pfeiffer abschließend.