Hochwasserschutz: Haselbacher zittern vor 13-Meter-Bau

Riesiges Retentionsbecken könnte Idylle in kleiner Siedlung nachhaltig stören. Bürgermeister Schmuckenschlager kalmiert.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:41
Lesezeit: 2 Min
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Klaus Platzer (im Bild auf einem Brett über dem Haselbach) sorgt sich um die Natur-Idylle am Ende der Waldgasse. Im Hintergrund könnte ein Rückhaltebecken mit einer bis zu 13 Meter hohen Wand entstehen.
Foto: Peischl

Nur durch Zufall hatte Klaus Platzer von Hochwasserschutz-Plänen der Stadtgemeinde Klosterneuburg erfahren. Er wohnt in Haselbach, einem Ortsteil der St. Andrä-Wörderner Katastralgemeinde Hintersdorf, und zwar in der Waldgasse. Diese Sackgasse verdient ihren Namen, endet sie doch (noch) im Wald oder eigentlich am ortsnamenspendenden Haselbach. Noch?

„Hier befindet sich die Gemeindegrenze zu Klosterneuburg. Und auf diesem Wald- und Wiesengrundstück soll ein riesiges Retentionsbecken mit einer rund 13 Meter hohen Wand in unsere Richtung gebaut werden“, berichtet Platzer. Das Projekt laufe unter dem Titel „Hochwasserschutz Kierlingbach“, in den letztgenannten mündet der Haselbach.

Sinnhaftigkeit der Dimension angezweifelt

Bei allem Verständnis für Schutzmaßnahmen zweifelt Platzer stark an der Sinnhaftigkeit eines überdimensionalen Rückhaltebeckens in diesem Gebiet: Erstens sei der Haselbach zuletzt im Jahr 1961 in größerem Ausmaß über sein schmales Ufer getreten. Zweitens habe der Bach noch mehr als zehn weitere Zuläufe, bevor er schließlich in den Kierlingbach mündet. „Nicht zuletzt liegt das betroffene Areal mitten im Naturpark Eichenhain und ist Natura-2000-Gebiet“, betont Platzer.

Dass tatsächlich ein derart großes Retentionsbecken gebaut werden soll, wird von Klosterneuburger Seite weder bestätigt noch ganz ausgeschlossen. „Die Stadtgemeinde ist derzeit in einer Prüfungsphase von einem geeigneten Standort“, sagt Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager.

Zur Ausgestaltung könne man gegenwärtig aber noch nichts sagen, es werde derzeit erhoben und an einem Entwurf gearbeitet. Sollte sich herausstellen, dass am Rande von Maria Gugging Überschwemmungen durch den Bach mit einem Rückhaltebecken verhindert werden können, dann beginne die Verständigungsphase und die Anhörung der Anrainer.

„Allerdings immer erst, wenn eine Umsetzung zumindest theoretisch möglich wäre“, sagt Schmuckenschlager. „Die Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität für die Gemeinde. Daher werden in diesen Entscheidungen auch immer Einzel- und Allgemeininteressen abzuwägen sein.“ Er verweist in diesem Kontext auch auf einen 39-seitigen „Maßnahmenkatalog zur Anpassung an den Klimawandel“, den Klosterneuburg erstellt hat.

Die Anrainer aus Haselbach sind auf der Hut. „Wir sind in Kontakt mit Umweltanwaltschaft, Naturschutzbund und Vogelschutzorganisationen“, sagt Platzer. Schließlich bewohnen seltene Arten wie Schwarzstorch und Habichtskauz das betroffene Gebiet.