Baustelle und ein Bauverfahren wegen Friedhofsiedlung. Großvolumiger Bau an der B 14 wird im Frühjahr beziehbar sein. Zweites Projekt in der Buchengasse: Nach Einsprüchen läuft das Verfahren.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 13. Juli 2019 (05:10)
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In der Tullner Straße entsteht ein Bau mit 16 Einheiten, drei werden als WG bewohnt.

Heute noch Baustelle, im Frühjahr startet das „Flexi-Wohnen“-Pilotprojekt. In der Tullner Straße geben künftig Wohngemeinschaften neun Unter-25-Jährigen ein neues Zuhause. Der geförderte Bau mit insgesamt 16 Wohneinheiten und einer Apotheke soll jungen Bewohnern eine leistbare Bleibe geben.

Einziges Manko: Der Komplex, so die Anrainer, passt nicht in das Ortsbild. „Wieso errichtet man mitten in einer durch Einfamilien-, Reihen- und Wochenendhäusern geprägten Siedlung großvolumige Wohnbauten?“, kritisiert der St. Andrä-Wörderner Erwin Bartsch. Das Areal an der B 14 ist seit Herbst 2018 Baustelle, in Planung ist auch ein großes Wohngebäude in der Buchengasse.

„Kein Mensch errichtet einen Park neben Friedhof und Bundesstraße.“ Maximilian Titz, Bürgermeister (ÖVP)

Dem wurde vorerst ein Strich durch die Rechnung gemacht: Die Behörde stuft die Entwürfe als nicht ortsbildkonform ein. Das Projekt muss zurück an den Start – das Bauverfahren läuft. Bartsch kämpft weiter gegen den Großbau: Der St. Andrä-Wörderner hat bereits die Volksanwaltschaft und das Land NÖ mit seinem Anliegen kontaktiert. Bartsch: „Es ist ein Wahnsinn, welche Flächen hier versiegelt werden.“

Sportplatz-Areal einzige gemeindeeigene Fläche

Die Flächen in der Tullner Straße und der Buchengasse sind Privatgründe, anders als das Areal mit 30.000 m beim Sportplatz. Am einzig gemeindeeigenen Grund wollte die Marktgemeinde ein belebtes Zentrum etablieren, mit Wohnungen, Geschäften und Freizeiteinrichtungen. Bei der Volksbefragung lehnten die St. Andrä-Wörderner den Plan ab.

Wird die Friedhofsiedlung nach dem Bürger-Nein zur Ausweichmöglichkeit für Großbau? „Da hat A mit B nichts zu tun. Das sind private Gründe, die an Bauträger verkauft wurden“, versichert Bürgermeister Maximilian Titz. Das Argument, dass hier Grünfläche versiegelt wird, lässt der Ortschef nicht gelten: „Das war immer schon Baugrund und wäre sowieso bebaut worden. Kein Mensch errichtet einen Park neben Friedhof und Bundesstraße.“

Außer den beiden Projekten in der Friedhofssiedlung sind in St. Andrä-Wördern keine großvolumigen Bauten geplant. Das soll – außerhalb des Zentrums – auch so bleiben. Die Beschränkung auf maximal zwei Wohneinheiten wird in Teilbezirken erweitert, derzeit gilt sie in den Wienerwald-Gemeinden Greifenstein, Altenberg, Hadersfeld, Kirchbach, Unterkirchbach und Hintersdorf. Dazu kommt „alles, was den Berg hinauf ist und wo die Landschaft zu schützen ist“, erklärt Titz. Gegenden, wo „wir der Infrastruktur nicht ausweichen können“, werden nicht beschränkt.

Bis der Beschluss in Kraft tritt, verhängt die Gemeinde eine Bausperre auf die ausgewiesenen Gebiete. Ein Vorhaben, das vom Gemeinderat bereits grünes Licht hat. Vizebürgermeisterin Ulrike Fischer möchte einen Schritt weitergehen: „Wenn es nach mir geht, wäre außer im Zentrum überall auf zwei Wohneinheiten beschränkt, nicht nur in Teilbezirken.“ Sie habe eineinhalb Jahre Überzeugungsarbeit für die Reduktion geleistet.

„Wir haben uns am örtlichen Entwicklungskonzept orientiert mit einem Zentrum rund um den Bahnhof“, so Fischer. Einen Ortskern mit Gemeindewohnung müsse es zwar geben, aber nicht in der Friedhofsiedlung. Fischer: „Ich hoffe, dass im Berufungsverfahren nicht zugestimmt wird. Wenn der Bau aber rechtens ist, muss die Gemeinde das akzeptieren.“