Erstellt am 14. Juli 2018, 04:04

Aufregung in Mauerbach um Wolf. Aufregung in Mauerbach, DNA-Analyse beweist, dass Wolf hier war. Experten warnen und beruhigen.

Heftig umstritten:Wölfe sorgen auch imBezirk Horn für Aufregung.  |  Schutterstock/Belizar

Kreidebleich kommt ein Arbeiter Mitte Juni eines morgens zu Claudia Radbauer, Schaf- und Ponyzüchterin in ihrem „Aktivstall Mauerbach“. Er erzählt, dass drei Schafe attackiert wurden. Da gingen die Veterinärmediziner noch von einem Hund als Übeltäter aus. Eine DNA-Analyse hat ergeben, dass ein Wolf in das gut gesicherte Gehege eingedrungen und die Tiere gerissen hat. Das verwundert sogar die Experten.

Claudia Radbauer betreibt eine naturnahe Landwirtschaft in Mauerbach inklusive Ponyzucht.  |  NOEN, privat

Anfangs zeigte sich Claudia Radbauer doch ein wenig schockiert, sie sei aber froh, dass der Wolf nicht bei ihren Ponys zugeschlagen hat, hier wäre der Schaden höher gewesen. „Ich sperre meine Tiere nicht in den Stall, sondern halte sie sehr naturnah. Deshalb sind die Zäune auch gut gesichert. Wenn der Wolf jedoch unbedingt auf die Weide gelangen will, dann schafft er das auch“, ist Radbauer überzeugt.

„Wenn der Wolf bis hierher gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen.“ Hermann Schultes, Präsident der LK NÖ

Das Land Niederösterreich hat Radbauer für den Verlust bereits entschädigt. Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner erklärt, dass durch den Vorfall vor allem die Haustierbesitzer beunruhigt seien: „Es besteht aber kein Grund dazu, der Wolf ist sicher schon weitergezogen. Ich hoffe, die Wogen glätten sich wieder.“ Zum Beispiel könnte er in den angrenzenden Bezirk Tulln weitergewandert sein.

Wolf könnte in Bezirk Tulln gewandert sein

Tullns Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer meint: „Es ist sehr schwierig, Wölfe durch Zäune von Nutztieren abzuhalten, weil Wölfe sehr schlau und lernfähig sind. Trotz doppelter Abzäunung, auch mit einem Elektrozaun, hat der Wolf in Mauerbach eine Schwachstelle im Zaun gefunden und ist in die Weide eingedrungen.“ Schwanzer ist überzeugt, dass es auch in steilem, unebenem Gelände sehr schwierig sei, Wölfe durch Zäune von Weidetieren abzuhalten. Auch Rinder oder Pferde fallen von der Größe her noch in das Beutespektrum des Wolfes.

Das beschäftigt auch die hiesigen Landwirte. Michael Hauck hält seine Schafe in der Christbaumkultur in Henzing, Marktgemeinde Sieghartskirchen. Ein Wildzaun begrenzt die Fläche, er sieht darin kein Hindernis für einen Wolf. Hauck: „Wir leben in einer Kulturlandschaft, in der Wölfe nichts verloren haben.“ In Ranzelsdorf, ebenfalls eine Katastrale von Sieghartskirchen, hält Wolfgang Fahringer seine Duroc-Schweine auf der Weide. Als Begrenzung wurde ihm dafür von den Behörden ein doppelter Weidezaun mit Strom vorgeschrieben. Fahringer: „Es ist nicht zu 100 Prozent sicher, dass der Wolf nicht doch reingeht, aber Strom sichert schon sehr gut ab.“ Auch er ist der Meinung, „dass der Wolf bei uns nichts zu suchen hat. Wir sind zu klein strukturiert, er hat keinen Platz in der natürlichen Umgebung.“

Woher der Wolf gekommen sein könnte, ist bereits nachvollziehbar

Georg Rauer ist Wolfsbeauftragter auf der VETMED Uni in Wien: „Laut der DNA-Probe, kommt der Wolf aus den Westalpen. In Salzburg und Oberösterreich sind ebenfalls Fälle bekannt. Ob es sich hierbei um ein und dasselbe Tier handelt, kann man nicht mit Gewissheit sagen.“ Der Experte vermutet, dass derzeit im gesamten Staatsgebiet Österreichs maximal zehn einzelne Wölfe unterwegs sein könnten. Gefahr für Menschen bestünde derzeit keine.

Zehn einzelne Wölfe in Österreich unterwegs

„Es gibt Fälle in Polen, wo zwei Kinder angegriffen wurden. Dabei wurde der Wolf aber angefüttert und hat sich so an den Menschen gewöhnt. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden“, appelliert Rauer.

Wie verhält man sich richtig, wenn man einem Wolf gegenüber steht? – Experten empfehlen, sich kurz bemerkbar zu machen und sich dann langsam und ruhig zurückzuziehen, keine Selfies zu machen oder dem Wolf nachzugehen und vor allem kein Futter anzubieten.

Der Mensch komme für den Wolf nicht als Beute in Frage. In Niederösterreich häufen sich die Sichtungen und die Aufnahmen mit Fotofallen.

Wolf unter strengem Schutz

Das Tier steht nach einem EU-weiten Gesetz unter strengem Schutz. Dieses Gesetz stellt der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LK NÖ), Hermann Schultes, nach dem Vorfall in Mauerbach, in Frage: „Wenn der Wolf bis hierher gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen. Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden.“ Die Landwirtschaftskammer fordere daher von der EU, dass der Schutzstatus der Wölfe geändert werde.

Artenschutz-Experte Arno Aschauer vom WWF (World Wide Fund for Nature) hält dagegen: „Der Wolf ist weder eine reißende Bestie noch ein Kuscheltier, sondern eine EU-weit streng geschützte Art. Daher braucht es rechtskonforme Management-Konzepte mit Herdenschutz-Maßnahmen und Entschädigungen.“

Aschauer fordert eine Rückkehr zur Sachlichkeit und kritisiert die negative Stimmungsmache: „Wer nur nach der Flinte ruft, lässt auch die betroffenen Landwirte allein im Regen stehen. Rechtswidrige Abschussfantasien lösen kein Problem.“