Rauchfreie City bilanziert. Mit 1. Mai stellten viele Lokale freiwillig auf rauchfrei um. Wie erging es den Gastronomen damit?

Von Doris Firmkranz und Thomas Peischl. Erstellt am 15. August 2018 (05:42)
Peischl
Gruppenfoto nach dem runden Tisch vor dem Tullner Rathaus: Walter Duschek, Remzi und Desira Selmani, SebastianKöstlbauer, Susanne Merta, Michael und Jolanta Huber, Stefanie Galler, Sabine Wagner, Christian Pöck, Walter Bichler und Thomas Baumgartlinger.

„Tullner City wird jetzt rauchfrei“ – diese Schlagzeile der NÖN Ende April dieses Jahres schlug ein wie eine Granate. Vertreter von neun Gastronomie-Leitbetrieben waren einer Einladung unseres Blattes zum Gespräch am runden Tisch gefolgt, um schließlich einhellig zu verkünden: „Ab 1. Mai sind unsere Lokale rauchfrei!“

Wir wollten wissen, wie die die Kaffeehausbetreiber und Gastwirte heute über ihre damalige Entscheidung, aus freiwilligen Stücken Raucher aus ihren Lokalen zu verbannen, denken, und was für Reaktionen es darauf gegeben hat.

„Alles paletti!“, meint etwa Gastwirt Christian Pöck vom „Adlerbräu“ am Rathausplatz, „zehn Gäste kommen nimmer“, das könne er verschmerzen. Im stets gut besuchten Gastgarten wird zwar geraucht, darüber beschwert hat sich jedoch bisher niemand.

Thomas Baumgartlinger vom „Goldenen Schiff“ ist quasi Pionier in Sachen Nichtraucherschutz, sein Lokal ist seit drei Jahren rauchfrei. Die Erfahrungen, die der Gastronom seither gemacht hat, sind durchwegs positiv. Auch die Gäste seien sehr glücklich über diese Maßnahme.

Nach 14 Tagen glätteten sich die Wogen …

„Das war eine sehr gute Entscheidung“, bereut Stefanie Galler nicht, ihr Café im Nahversorgungszentrum Staasdorfer Straße nun rauchfrei zu führen. „Manche Stammgäste reagierten zunächst verärgert, aber nach 14 Tagen glätteten sich die Wogen komplett.“ Aufgrund der neuen Kinderspielecke kämen jetzt viele Mütter, um in aller Ruhe – vor allem aber ohne störenden Zigarettenqualm – ihr Frühstück zu genießen.

„So richtig aufgeregt hat sich keiner“, erzählt Desira Selmani vom „Sole“ am Hauptplatz, „aber ein paar Kunden hab ich sicher verloren.“ Die Gastronomin will erst die kalte Jahreszeit abwarten.

Bei Sebastian Köstlbauer im gleichnamigen Tullner Traditionscafé haben die Positivmeldungen die Kritik eindeutig überwogen. „Natürlich hat uns auch das wunderschöne Sommerwetter in die Hände gespielt“, ergänzt Köstlbauer. Zwar habe er auch einige Kunden verloren, aber auf der anderen Seite auch mehr gewonnen, „daher gehe ich davon aus, dass wir unterm Strich positiv aussteigen“.

Keine derart guten Erfahrungen hat Walter Duschek in seiner Skybar im Einkaufszentrum Rosenarcade gemacht: „Unser Umsatz ist im Vergleich zu den Sommern der letzten beiden Jahre zurückgegangen.“ Das könne natürlich auch zum Teil auf die Rekordhitze der letzten Wochen zurückzuführen sein, aber Duschek ist überzeugt, dass das Rauchverbot im Lokal auch einen Teil dazu beiträgt: „Die Reaktionen unserer Kunden reichen von überdrüber-super bis sehr bescheiden.“ Außerdem könne man Rauchern im Außenbereich lediglich zwei Sonnenschirme als Schutz anbieten. „Da bräuchten wir eine andere Lösung, aber das wäre wiederum baulich sehr aufwändig“, erklärt der Skybar- und Tanzschulbetreiber, „wir können das jetzt nur durchziehen und hoffen, dass auch von den Gastronomiekollegen niemand umfällt.“ Als Gradmesser für die Zukunft sieht er die Monate September und Oktober: „Da ist unser Lokal im Normalfall sehr gut besucht.“

Durchwegs postive Rückmeldungen der Gäste und kaum Negatives meldet Sabine Wagner aus der gleichnamigen Café-Konditorei auf dem Hauptplatz. „Natürlich ist jetzt noch Sommer, was die Sache erleichtert. Aber wir haben die Trennwand im Lokal bereits abgebaut und wir wollen sicher nicht mehr zurück“, zeigt sie sich optimistisch.

Ein Zurück zu Raucherbereichen ist auch für Susanne Merta mit ihrem „Winzig XL“ keine Option: „Probleme gibt es nur mit Leuten, die nach Gastgartenschluss draußen noch laut sind. Das ständige Eingreifen-Müssen ist für unsere Kellner mühsam.“ Außerdem habe die Stadtgemeinde bereits Anfang Mai einen Aschenkübel versprochen — der sei aber leider bis heute nicht eingetroffen.