Tulln

Erstellt am 18. Mai 2018, 03:47

von Viviane Werdath

Umweltprojekt: Bäume wirken als Klimaanlage. Hitze, Trockenheit, Starkregen – „Klimafitte“ Bäume ermöglichen eine Abschwächung der Klimaextreme.

Am Campus-Tulln wurde der erste „Klimabaum“gepflanzt:ein Feldahorn.„Klimafit“-Partner Georg Strasser (ÖVP), Bürgermeister: PeterEisenschenk, Erich Hofer(Auersthal),Pavel Hroch (Südöhmischer Kreis), Jiří Hrbáč (Javorník) undAntonin Okénka (Nova Lhota).  |  Natur im Garten

In 40 Jahren werden hierzulande Temperaturen wie in Neapel herrschen, in 80 Jahren wie in Kairo. Die Folgen der globalen Erwärmung treiben nicht nur Klimaforschern den Schweiß auf die Stirn.

Steigende Hitze, Trockenheit und Starkregenereignisse stellen auch Niederösterreichs Gemeinden vor große Herausforderungen. Die landwirtschaftlichen Erträge werden zukünftig im Osten des Landes (etwa im Weinviertel) stark abnehmen.

„Dem Klimawandel kommt man nur mit klimafitten Bäumen bei.“ Stefan Schmidt

Am 9. Mai startete daher das von der EU geförderte, grenzübergreifende Projekt „Klimagrün“. 70 Experten, politische Vertreter und Leute aus der Praxis aus NÖ, Südböhmen und Südmähren trafen einander zur Start-Konferenz im Universitätsforschungszentrum Tulln.

„Diese länderübergreifende Kooperation ist ein Zeichen des Miteinanders, um gemeinsam die Auswirkungen des Klimawandels zu meistern“, meinte Nationalratsabgeordneter Georg Strasser. Das Ziel ist, konkrete Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Aktuelle Forschungen und Klimamodelle zeigen, dass die Vegetation, Bäume, Sträucher und hochwertige Böden, das Klima maßgeblich beeinflussen. Das heißt: Gärten, Parks, Windschutzhecken, Alleen und Flurgehölze schwächen Auswirkungen des Klimawandels ab. Sie schützen vor Hitze, wirken Dürre entgegen, verbessern den Wasserabfluss nach Starkregen und helfen Menschen und Tieren heute und in Zukunft den Aufenthalt im Freien erträglich zu machen. „Hier hört die Diskussion auf“, stellten Stefan Schmidt (Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau, Schönbrunn) und Erwin Murer (Bundesamt für Wasserwirtschaft) klar, „dem Klimawandel kommt man nur mit klimafitten Bäumen bei“. „Bäume kühlen und beeinflussen das lokale Klima“, bestätigte der tschechische Forscher Jan Pokorny, der sich innovativen Umwelttechnologien widmet.

Bäume spenden Schatten und dienen als Wasserspeicher

Bäume wirken wie sehr intensive Klimaanlagen, sie spenden Schatten und dienen als Wasserspeicher, wobei die entstehende Verdunstungskälte die Umgebungstemperatur abkühlt. Ein Baum erreicht den Kühleffekt von zehn Klimaanlagen. Darunter wird die Temperatur um 15 bis 20 Grad reduziert. Ein Hektar Wald lässt die gesamte Umgebungs-Lufttemperatur um satte fünf Grad sinken. Mit technischen Mitteln würde das Kosten von einer halben Mio Euro pro Hektar bedeuten. Theoretisch. Praktisch ist das unmöglich.

Doch nicht jedes Bäumchen ist geeignet: Um den Backofeneffekt zu dämmen, sind große Baumarten mit ausladenden Kronen nötig, je älter, desto besser. „Der richtigen Baumartenwahl kommt eine Schlüsselrolle zu, sie entscheidet über die klimatische Wirksamkeit“, betonten Schmidt und Murer. Im Klimagrün-Projekt werden daher klimawandeltaugliche Baumarten (zum Beispiel Feldahorn, Granada-Ahorn und Lobel-Ulme) und Leitlinien für eine sinnvolle Bepflanzung vorgestellt. Damit die Bäume groß genug werden, ist pro Baum ein Wurzelraum von 100 bis 150 m³ nötig. In den Städten sterben Bäume aber nach 20 Jahren ab, noch bevor sie ein klimatisch wirkungsvolles Alter erreichen können.

Zusätzlich wird Wasserabfluss begünstigt

Pilotprojekte zeigen, dass mit einem neu entwickelten „Baumsubstrat“, welches unter dem Straßenbelag Hohlräume schafft, die notwendige, tiefe Durchwurzelung möglich ist. Zusätzlich wird der Wasserabfluss begünstigt, was nachweislich Überflutungen bei Starkregen verhindert.

Bürgermeister Peter Eisenschenk ist bemüht, dieses Wissen umzusetzen: „Wir arbeiten fachlich auf dem neuesten Stand. Bei der Wiederaufforstung nach dem Eschensterben achten wir auf hohe Biodiversität. Im Straßenraum werden klimataugliche Bäume ausgewählt.“ Bereits jetzt werde an für das Baumwachstum schwierigen Standorten mit einem speziellen Baumsubstrat gearbeitet, das das Leben der Bäume verlängert. In Zukunft sollen innotive Methoden durchwurzelbaren Raum unter Straßen vergrößern.