Willkür? Absonderungsbescheide sorgten für Verwunderung. Mütter kritisieren unterschiedliche Vorgangsweise. BH verweist auf Einzelprüfung.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 16. Juli 2020 (05:13)
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Für Kritik sorgte der NÖN-Bericht über den Stand in Sachen Corona-Erkrankungen in der letzten Ausgabe:

Unter anderem hieß es, dass die 14-tägige Absonderung (sprich: Quarantäne) einer Vielzahl von Schülern bei einigen Eltern auf wenig Akzeptanz gestoßen wäre.

„Das trifft nicht den Kern des Problems“, schreibt Lehrerin Silvia Razo per E-Mail. Es gehe vielmehr darum, dass Absonderungsbescheide je nach Wohnsitz und zuständiger BH unterschiedlich, ja sogar willkürlich ausgestellt wurden.

„Ich verstehe die Maßnahmen, aber nicht die Ungleichbehandlung.“ Claudia Taferner, Mutter eines betroffenen Schülers

So hätten etwa die Sitznachbarn im Lehrerzimmer des positiv getesteten Lehrers der Sportmittelschule Tulln nicht in Quarantäne gemusst.

Claudia Taferner, Mutter eines betroffenen Schülers, schließt sich der Kritik an: „Ich verstehe die Maßnahmen, aber nicht die Ungleichbehandlung.“ In einem Bescheid der BH Tulln bleibt die Quarantäne bis 14 Tage nach dem letzten kontagiösen Kontakt aufrecht, in einem anderen der BH St. Pölten setzt bereits ein negatives Testergebnis die Quarantäne außer Kraft.

Zwei Schüler, die in der Schule nebeneinander sitzen, würden auf diese Weise komplett unterschiedlich behandelt. „Wir sind als Familie in Eigeninitiative zu Hause geblieben, bis das Testergebnis vorlag“, betont Taferner. Aber wenn zuerst alle Kinder als Hochrisikopersonen eingestuft und dann derart unterschiedlich weiter behandelt werden, falle es zunehmend schwer, die Lage Ernst zu nehmen.

Entscheidung liegt beim zuständigen Amtsarzt

Manfred Henninger, Leiter des Krisenstabs und Fachgebietsleiter Katastrophenschutz: „Wenn ein Schüler Kontakt mit einer positiv auf COVID-19 getesteten Person hatte, dann gilt der Schüler als Hochrisikokontakt, und wir müssen mit einer Absonderungsmaßnahme vorgehen.“

Es werde aber jeder Fall individuell beurteilt, und daher komme es teilweise zu unterschiedlichen Maßnahmen. „Welche Maßnahmen aus epidemiologischer Sicht zu setzen sind, entscheidet der Amtsarzt“, betont Henninger. Diese Entscheidungen basieren aber nicht auf unterschiedlichen Bezirkszugehörigkeiten, sondern darauf, dass die Individualprüfung des Arztes zu einem anderen Ergebnis gekommen sei.