Gigging: Grünlandkauf von Familie doch gescheitert

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:42
Lesezeit: 4 Min
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Manuela Tesarik bedauert, dass die naturnahe Ökofläche hinter ihrem Haus in Gigging nicht erhalten werden kann.
Foto: Foto Rapp
Raumordnungsbüro befürwortete Baulandwunsch der Gemeinde Kirchberg am Wagram.

Bereits im Sommer 2021 hat Familie Tesarik Kenntnis davon erlangt, dass ein bisher landwirtschaftlich genutztes Grundstück, unmittelbar an den Garten ihres Einfamilienhauses in der Gigginger Hofgartengasse angrenzend, in Bauland umgewidmet werden soll.

Schon damals hat Manuela Tesarik Kontakt mit dem Kirchberger Bürgermeister Wolfgang Benedikt aufgenommen, weil sie zumindest einen Teil dieses Grünlandes im Anschluss an ihr Grundstück erwerben wollte. Flächen, die als künftiges Bauland vorgesehen waren.

„In diesem Telefonat, das einen durchaus positiven Anschein hatte, wurde von Bürgermeister Benedikt erklärt, dass bis zur Vorlage des Entwurfes der Änderung der Raumordnung noch keine aktiven Handlungen meinerseits vorgenommen werden können“, so Manuela Tesarik zur NÖN.

Wunsch nach Grundkauf im Oktober wieder geäußert

Anfang Oktober 2021 dann ein Schreiben der Marktgemeinde Kirchberg über die geplanten Änderungen der Raumordnung in der Ortsgemeinde Gigging. Manuela Tesarik schickte sofort einen eingeschriebenen Brief an die Gemeinde Kirchberg, in dem sie ihren Wunsch nach Erwerb des Grünlandes – auch zu einem höheren Preis – wiederholte. „Zur Erhaltung des ökologischen Wertes und gegen die Bodenversiegelung“ heißt es im Schreiben.

Dieses Schreiben der Familie Tesarik ist mit drei weiteren Stellungnahmen anderer Grundbesitzer in die Beratungen über die Änderungen des örtlichen Raumordnungsprogramms mitaufgenommen worden. Vom Raumordnungsbüro des Landes NÖ wurden alle Eingaben geprüft. Im Fall der Umwidmung in der Ortsgemeinde Gigging ergaben sich allerdings keine Änderungen gegenüber dem Vorhaben der Gemeinde, Bauland zu schaffen. Hier entstehen nun sechs Bauplätze.

Manuela Tesariks Mutter Brigitte Tesarik gibt außerdem zu bedenken, dass die Liegenschaften in der Hofgartengasse, so wie viele Teile Giggings und Altenwörths, beim verheerenden Hochwasser 2002 überflutet waren. „Wer garantiert, dass es bei einer ähnlichen Hochwassersituation nicht wieder ,Land unter‘ heißt?“. Mit Schaudern erinnert sie sich noch an die gewaltigen Fluten vor knapp 20 Jahren.

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Bürgermeister Wolfgang Benedikt: „Gemeinderat hat Umwidmung einstimmig beschlossen.“
Foto: Rapp

„Hinsichtlich der Hochwassergefahr haben wir natürlich ein Gutachten erstellen lassen“, so Kirchbergs Bürgermeister Wolfgang Benedikt.

Nachdem der Hochwasserschutzdamm Tullnerfeld Nord fertiggestellt wurde, sind viele Flächen aus der „roten Zone“ herausgenommen worden.

Bürgermeister war bisher nicht erreichbar

Mehrmalige telefonische Versuche, mit Bürgermeister Benedikt Kontakt aufzunehmen, scheiterten. Zuletzt sandte Manuela Tesarik am 29. Dezember 2021 eine E-Mail an den Bürgermeister.

Bedauernd stellte sie darin fest, dass sie aufgrund des durchaus positiven Telefongesprächs vom Sommer 2021 doch angenommen hätte, dass ein Erwerb von Grünland möglich sei. Wobei sich Familie Tesarik sogar dazu verpflichtet hätte, auf eine spätere Umwidmung des Grünlandes in Bauland zu verzichten.

Eine Zusage, dass von der Marktgemeinde Kirchberg Grünland an Familie Tesarik veräußert würde, gab es laut Bürgermeister Benedikt nie. Er erinnert sich aber an das ausführliche und informative Telefonat im Sommer 2021.

Umwidmung ist bereits beschlossen worden

Mittlerweile hat der Kirchberger Gemeinderat die Abänderung des örtlichen Raumordnungsprogramms, u.a. auch für Gigging, bereits einstimmig beschlossen.

Bürgermeister Wolfgang Benedikt: „Der Gemeinderat hat in öffentlicher Sitzung über die Widmungsänderungen und die Stellungnahmen beraten und ist letztlich den Vorschlägen des Raumplanungsbüros gefolgt.“

Reh kam zu Besuch bis in den Hausgarten

Von einem Schaden für die Natur spricht Manuela Tesarik im Zusammenhang mit der nunmehr erfolgten Umwidmung. „Hasen laufen hinter unserem Haus über die Wiesen, ein Reh war sogar einmal in unserem Hausgarten. Aber damit wird es wohl bald vorbei sein“, meinte Brigitte Tesarik bedauernd im Gespräch mit der NÖN.