Verwechslung mit Folgen. TULLN | Ein totgeglaubter Tullner erfreut sich, Gott sei Dank, bester Gesundheit. Doch ein Steinmetzbetrieb schickt Werbung an seine „Hinterbliebenen“.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 11. Dezember 2013 (07:40)
Von Doris Firmkranz

Ernst Tringl ist Mitte Sechzig, pumperlg‘sund und voller Zukunftspläne. Erst kürzlich hat er ein Haus erworben, um sein Hobby - das Reparieren von Uhren - auf professionelle Beine zu stellen.

Doch kaum aus dem Haus, begegnet der Mann (er ist in der Stadt kein Unbekannter) immer wieder Menschen, die ihn verdutzt anschauen. „Es ist, als würden sie einen Geist vor sich sehen.“ Der Grund: Sie hielten ihn für nicht mehr unter den Lebenden weilend.

Gutschein über 350 Euro für einen Grabstein

Dies dachte offenbar auch ein renommierter Steinmetzbetrieb aus dem Tullnerfeld und schickte Ende November einen Brief an die „Hinterbliebenen“. In diesem steckten neben einem - übrigens sehr einfühlsamen und pietätvoll gehaltenen - Schreiben auch ein Gutschein über 350 Euro für einen Grabstein und einer über 35 Euro für die Inschrift.

„Es tut mir leid“, bedauert Mitarbeiterin des Unternehmens

Ernst Tringl kann sich nicht erklären, woher die anscheinenden Missverständnisse herrühren. Er vermutet, dass sie in Zusammenhang mit seinem Bruder Karl, der vor wenigen Wochen verstorben ist, stehen. Doch dieser lebte schon seit 20 Jahren nicht mehr in Tulln. Der Kontakt zu ihm war abgebrochen.

„Selbst wenn es sich um eine Verwechslung gehandelt hat, ist es mir unerklärlich, wie der Brief nicht an die alte Adresse meines Bruders in Tulln geschickt worden ist, sondern an meine gelangt ist“, rätselt der Totgeglaubte.
„Es tut mir leid“, bedauert eine Mitarbeiterin des Unternehmens den Vorfall und gesteht, dass hier „wohl eine Verwechslung vorliegen muss“. Das komme selten – etwa alle zwei bis drei Jahre ein Mal – vor.