Museum Kautzen lebt wieder. Lebendes Museum zeigt wieder Handwerksvorführungen. Fotografische Arbeiten von Franz Krestan in Sonderausstellung.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 10. Juni 2021 (04:32)

Das Museum in Kautzen lebt wieder. Das Museum bietet eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen. Eine Besonderheit ist das „Lebende Museum“ mit Handwerksvorführungen. Jeden ersten Sonntag im Monat werden wieder von 9 bis 12 Uhr Vorführungen auf den Gebieten Webstühle, Spinnrad, Strickmaschine, alte textile Techniken, Schuster-, Keramik- und Tischlerwerkstatt sowie Zither-Reparaturwerkstatt zu sehen sein. Corona-bedingt konnten heuer erst vergangenen Sonntag die ersten Handwerksvorführungen bestaunt und Fragen an die Handwerker gestellt werden.

Fotografische Arbeiten von Franz Krestan. In der aktuellen Sonderausstellung sind seit einer Woche fotografische Arbeiten von Franz Krestan unter dem Titel „Vergangenes“ zu sehen. Die Fotoausstellung zeigt Fotodrucke aus dem Bildband „Verlassene Heimat - Leere Häuser voller Geschichten“ und seinem neuen Buch „Malerei und Seidenglanz“.

Franz Krestan ist 1946 in Wien geboren und wuchs in Drosendorf auf. Nach seiner Ausbildung zum Textiltechniker und einigen Praxisjahren in der Textilindustrie machte er sich als Textilkaufmann in Drosendorf selbstständig. Er prägte ab 1975 durch sein Engagement die Gemeinde, zuerst als Stadtrat, später 21 Jahre lang als Bürgermeister. Krankheitsbedingt gab er diese Funktion auf und widmet sich seitdem wieder der Fotografie. Seine bevorzugten Motive sind die Menschen in ihrer natürlichen Umgebung, im Wirtshaus und bei Festen. Darüber hinaus bildet er die Waldviertler Architektur und das Unwiederbringliche gerne ab.

Schreibt Märchen und Sagen. In letzter Zeit greift er auch öfter in die Tasten, um diverse „Wirtshausgschichtln“ festzuhalten. Statt an seiner Biografie schreibt er lieber Märchen und Sagen. Sein Motto: Nichts zu ernst nehmen, denn einmal wird´s aus sein mit lustig – bis dahin soll es aber lustig bleiben.

Hommage an Hofburgmaler Johann Hammerl. Die Fotoarbeiten aus dem Buch „Malerei und Seidenglanz“ sind eine Hommage an Johann Hammerl, dem Hofburgmaler aus Heinrichsreith bei Drosendorf, geboren 1914 in Modlau nahe Slavonice. Dort erlernte er auch das Malerhandwerk. Nach dem Krieg musste er seine Heimat und Modlau verlassen und kam bei seiner Schwester in Unterpertholz unter.

Seidenglanz gab Zimmer eine herrschaftliche Note. Hammerl war ein überaus fleißiger Mann und als „Pfuscher“ sehr beliebt. Früher musste man jedes Jahr die „Kuchl“ einmal „Weißinger“ lassen, sonst hätte man wohl eine schwarze Küche gehabt. Er hatte eine reichliche Anzahl von Musterwalzen und Farben, mit denen er die Hausbesitzer glücklich machen konnte. Trotzdem war seine bevorzugte Farbe Ocker in allen Nuancen. In den Schlafzimmern kam gerne Seidenglanz zum Einsatz, der gab dem Zimmer eine herrschaftliche Note. Johann Hammerl stand noch mit über 80 Jahren auf der Leiter. Schließlich verstarb er 2004 mit 90 Jahren.

Die Sonderausstellung ist noch bis 15. August zu sehen. Öffnungszeiten: Sonn- und Feiertage von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Infos bei Gerda Kohlmayr unter 0664/53 128 23 und auf www.museum-kautzen.at.